Die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten haben in der Bankenwelt eine Frage aufs Tapet gebracht: Wer dockt an die digitalen Wertschöpfungsketten der Finanzindustrie an? Auf der einen Seite boomen Neobanken und Fintechs, auf der anderen Seite wird viel über das Potenzial der Techkonzerne aus den USA und China gesprochen. Letztere hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Dachorganisation der Zentralbanken, nun unter die Lupe genommen.
Während Fintechs in erster Linie im Bereich der Finanzdienstleistungen tätig sind, bieten Alibaba, Amazon, Facebook, Google und Tencent bereits Finanzdienstleistungen als Teil einer viel breiteren Palette von Aktivitäten. Dies biete Chancen aber auch Risiken, halten die Autoren der BIZ fest. Die Nutzung der Kernprodukte von Bigtech könnte im Finanzbereich die Effizenz steigern, eine grosse Anzahl an User integrieren und die direkte Interaktion zwischen den Anwendern vereinfachen, heisst es im Papier. Das habe das Potenzial, rasche Veränderungen in der Finanzbranche auszulösen.
Allerdings generiert das auch grosse Gefahren: Zwar würden die anfallenden immensen Datenmengen erstmal wünschenswerte Netzwerkeffekte und Grundlagen für die Risikobeurteilung erzeugen. Sie könnten aber für Bigtech in "beispiellosem Tempo eine marktbeherrschende Stellung" herstellen, so die Autoren des BIZ-Papiers. Zudem würden in Sachen Datenschutz neue Probleme und Zielkonflikte entstehen.
Die Autoren des Papiers wünschen sich nun eine internationale Koordination der Regulierung, insbesondere der Datennutzung. Allerdings handelt es sich beim Papier um ein Arbeitspapier, das die Meinung der Autoren und nicht unbedingt der BIZ wiedergibt. Verfasst wurde es indes gleich von 4 hohen BIZ-Managern, darunter Leonardo Gambacorta, Head Innovation and the Digital Economy bei der Institution.
Legt man die Stimmung in der Schweiz zugrunde, dürften die Regulatoren noch ein wenig Zeit haben. Rund 80% der hiesigen Bevölkerung können sich kein Konto bei den amerikanischen Bigtechs vorstellen. Dies hatte eine
Umfrage des Vergleichsdienstes Moneyland unter 1500 Personen in diesem Oktober ergeben.