Die Attacke auf Bouygues wurde am Donnerstagmorgen 30. Januar entdeckt und begann in der vorhergehenden Nacht. Als Folge wurden interne Applikationen, Intranet und E-Mail-Systeme vom Netz genommen, teilweise funktionierte auch die Telefonie nur eingeschränkt oder fiel aus. Dies berichten verschiedene französische Medien.
Bouygues Construction ist der fünfgrösste europäische Baukonzern und mit weltweit 129'000 Mitarbeitenden in 93 Ländern aktiv. Der Ausfall betrifft den Hauptsitz in Guyancourt (Yvelines), sämtliche Geschäftsstellen in Frankreich und vermutlich die Niederlassungen weltweit, die an das interne System gekoppelt sind.
Kein E-Mail-System in der Schweiz verfügbar
Betroffen sind auch die Schweizer Töchter Bouygues Energies & Services InTec und Bouygues Energies & Services Facility Management mit ihren 5700 Angestellten und Hauptsitz in Zürich. Dies geht aus einer internen Mitteilung hervor, die
inside-it.ch vorliegt. Nicht verfügbar seien zur Zeit E-Mail, Messaging-Dienste und andere Applikationen, die über die interne IT von Bouygues Construction gehostet werden. Normal funktionieren bei einigen Abteilungen Branchen- und Fachapplikationen, da diese über eine getrennte Infrastruktur laufen. Ein Krisenstab sei eingerichtet worden.
Gegenüber
'Le Parisien' erklärte ein Sprecher von Bouygues Construction: "Wir haben eine Krise im IT-Netzwerk festgestellt." Man habe die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen ergriffen. "Die Geschäfte gehen in der Zwischenzeit weiter, die Baustellen laufen, und es gibt keine Lähmung der Aktivitäten."
Security-Experte vermutet Ransomware-Angriff
Über die Ursachen der Störung machte das Unternehmen in Frankreich vorerst keine Angaben. Der französische IT-Journalist und Security-Experte Damien Bancal vermutet auf seiner Website
'Zataz.com' einen Angriff mit Ransomware. Die ersten Systeme seien wahrscheinlich in Toronto und Montréal infiziert worden, und der Wurm habe sich von dort weltweit im Netz von Bouygues verbreitet.
Gemäss Bancal habe die Hackergruppe Maze ihm gegenüber bestätigt, hinter dem Angriff zu stehen: "Wir versuchen gerade, mit ihnen (Bouygues) Kontakt aufzunehmen." Maze war bis jetzt vor allem mit Angriffen in den USA, Italien und zuletzt in Deutschland gegen den Werkzeughersteller Einhell aktiv.
Weiter erklärte Maze laut Bancal, 10 Millionen Euro Lösegeld zu fordern, "sonst werden wir den ganzen Müll von ihren Servern der Öffentlichkeit zugänglich machen, und dann werden sie durch Klagen ruiniert".
Gegenüber der Montpellier-Ausgabe von
'Actu.fr' dementierte die Bouygues-Gruppe in Paris einen Ransomware-Angriff als Ursache. In der internen Mitteilung an die Mitarbeitenden in der Schweiz ist hingegen explizit von einem "Cyberangriff" die Rede. Mittlerweile hat Bouygues diesen in Frankreich auch gegenüber 'Le Monde' bestätigt.