Das ist die RedIT-Strategie

13. April 2012, 13:39
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Kleeb: Zukunft gehört dem Outsourcing und dem NAV-Geschäft.

Kleeb: Zukunft gehört dem Outsourcing und dem NAV-Geschäft.
Die ehrgeizigen Pläne, die RedIT-Gründer Andreas Kleeb einst gehegt hat, sind gescheitert. Ganz gescheitert? Nein, sagt Kleeb im Gespräch mit inside-channels.ch. Doch der Reihe nach:
Spätestens als der damals noch börsenkotierte Zuger VAR- und ERP-Spezialist RedIT für 2008 einen Reinverlust von 10 Millionen Franken bekannt geben musste, war klar, dass die Firma restrukturiert werden muss. Nun - so Andreas Kleeb (Foto) - hat der Wiederaufbau Früchte getragen und RedIT ist zurück. "Trotz des Abgangs eines ganzen Teams in der Ostschweiz haben wir 2011 einen positiven Cash Flow erzielt", betont der Zuger.
Kleeb ist seit Ende 2011 mit seiner beelk Holding wieder Mehrheitsaktionär von RedIT und fungiert schon seit März 2010 auch als CEO. Er hatte die operative Führung im August 2008 abgegeben.
"Wiederkehrende Erträge" statt Projekte
Heute nun erwirtschaftet die gesamte beelk-Gruppe, zu der RedIT gehört, einen Umsatz von etwa 30 Millionen Franken und RedIT selbst beschäftigt etwa 130 Mitarbeitende. Das Geschäft des Zuger VARs beruht heute auf drei Säulen: Das ERP-Business mit Dynamics NAV, Systemintegration und Managed Services. In Zukunft will Kleeb das Unternehmen noch mehr auf zwei Kerngeschäfte fokussieren. So soll das Geschäft mit Microsoft NAV, wo RedIT auch heute noch der grösste Schweizer Microsoft-Partner in der Schweiz ist, verstärkt werden. Zudem will Kleeb das Outsourcing-Geschäft mit KMU vorantreiben. Kleeb: "Das Projektgeschäft und sowieso das Handelsgeschäft bringen zu wenig Marge. In Zukunft will ich mehr vertraglich gebundene Umsätze mit Outsourcing-Dienstleistungen für KMU."
Er sieht den für RedIT idealen Markt bei Schweizer KMU, die sicherstellen wollen, dass ihre Daten nicht ins Ausland gelangen und dass kein Staat darauf Zugriff hat. Zudem, so Kleeb mit gutem Recht, brauchen KMU Hilfe bei der Integration zwischen Lösungen, die man in eine "Wolke" auslagert wie etwa Kommunikationsplattformen und komplexeren, selbst betriebenen Lösungen, etwa für CAD oder Produktionssteuerung. Kleeb nennt ein Beispiel: "Microsoft möchte bekanntlich auch Cloud-Version von Dynamics NAV anbieten. Doch schon nur wenn es Schnittstellen zu Umsystemen, Lieferanten und Kunden gibt, wird Outsourcing problematisch."
Künftiger CEO in der Firma rektrutieren
Kleeb macht im Gespräch mit inside-channels.ch kein Geheimnis daraus, dass er sich früher oder später wieder aus dem Tagesgeschäft von RedIT zurückziehen will und sich mehr der Entwicklung der Firmen in der beelk-Gruppe, zu denen etwa der interessante Software-Startup me2me gehört, kümmern will. Den nächsten Geschäftsführer für RedIT sucht er aber nicht extern, sondern will ihn aus dem bestehenden Management des Systemintegrators heraus rekrutieren.
Geschafft hat es nur Bechtle
Auf unsere Frage, ob er den Versuch, die früher börsenkotierte RedIT zu einem schweizweit präsenten KMU-Outsourcer zu machen, als Flop betrachtet, reagiert Kleeb differenziert. Richtig ist, dass er die Börsenkotierung von RedIT rückgängig machen musste und dass RedIT, die einmal einen Umsatz von 100 Millionen gemacht hat, arg geschrumpft ist.
Doch nach Bechtle und Swisscom, die beide durch Zukäufe massiv gewachsen sind, gehört RedIT immer noch zu den grössten KMU-Anbietern in der Schweiz. Und am Versuch, einen grossen, schweizweit operierenden KMU-Outsourcer zu bauen, sind auch andere gescheitert. So hat sich eben die österreichische VAR-Gruppe aus der Schweiz zurückgezogen. Für Kleeb ist heute klar: Eine Firma, die im Schweizer KMU-IT-Business Erfolg haben will, muss unternehmergeführt sein. (Christoph Hugenschmidt)

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