Deutsche Ämter verschlafen das Aus von Windows 7

23. Januar 2020, 09:49
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Der Staat muss bei zigtausenden Windows-7-PCs für teure "Extended Security Updates" zahlen. Wie ist dies in Bern? Das BIT antwortet.

Am 14. Januar 2020 hat Microsoft wie lange angekündigt den Gratis-Support für Windows 7 eingestellt. In Deutschland ist das veraltete Betriebssystem aber immer noch auf rund 33'000 PCs in diversen Bundesministerien und -ämtern installiert. Dies geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen im deutschen Bundestag hervor, wie das 'Handelsblatt' berichtet.
Für eine Nachrüstung der betroffenen PCs mit dem "Extended Security Update" muss das deutsche Ministerium im laufenden Jahr nun "ca. 800'000 Euro" zusätzlich ausgeben, wie der Parlamentarische Staatssekretär Günter Krings (CDU) schreibt.
Auch viele Landesverwaltungen nutzen noch Windows 7. In Berlin sind noch rund 20'000 der insgesamt 85'000 Verwaltungsrechner mit dem alten Betriebssystem im Einsatz. Für das Security-Update entstehen dort Mehrkosten von einer Million Euro. Grundsätzlich rechne die Bundesregierung aber "im Wesentlichen derzeit mit keinen Problemen" nach Ablauf des Supports von Windows 7.
In der Schweiz hatte die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani) im vergangenen Dezember noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, dass Unternehmen wie Privatpersonen allfällige noch verwendete alte Windows-Produkte möglichst schnell ersetzen sollten. Falls dies nicht möglich sei, müssten zusätzliche Schutzmassnahmen getroffen werden.
Entwarnung bezüglich Windows 7 kommt aus Bern. Die vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) betreuten Teile der Bundesverwaltung hätten die Migration auf Windows 10 bereits bis Herbst 2018 grösstenteils vollzogen, antwortet BIT-Sprecherin Sonja Uhlmann-Haenni auf Anfrage von inside-it.ch.

Nur vereinzelte Windows 7-Geräte beim Bund

"Aktuell sind noch vereinzelte Windows 7-Geräte in spezieller Umgebung im Einsatz. Der Grund dafür sind einzelne noch benötigte Alt-Fachanwendungen, deren Kompatibilität mit Windows 10 äusserst schwierig oder gar nicht zu bewerkstelligen war", so Uhlmann-Haenni weiter.
Im Bereich der Sicherheit garantiere indes der erweiterte Support von Microsoft regelmässige Sicherheits-Updates bis zu dem Zeitpunkt, wo auch die letzten Geräte abgelöst werden können. Beim BIT geht man davon aus, dass die Migration im Laufe dieses Jahres komplett abgeschlossen sein wird.
Die Migration auf Windows 10 sei insgesamt erfolgreich verlaufen. Solche Projekte würden aber immer Herausforderungen mit sich bringen: "Beispielsweise die Anpassung von mehreren Tausend durch die Bundesämter genutzten Fachanwendungen, damit diese auf dem neuen Betriebssystem fehlerfrei laufen."
Zur allfälligen Verwendung von Windows 7 bei weiteren Behörden, insbesondere auf Kantons- oder Gemeindeebene, ist nichts bekannt.

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