Deutschland stellt "Datenraum für Europa" vor

29. Oktober 2019, 14:53
image

Ein unabhängiges Cloud-Projekt soll Europa mehr IT-Souveränität geben. "Gaia-X" sei aber nicht als Konkurrenz zu den Hyperscalern gedacht.

Ein unabhängiges Cloud-Projekt soll Europa mehr IT-Souveränität geben. "Gaia-X" sei aber nicht als Konkurrenz zu den Hyperscalern gedacht.
Am Digital-Gipfel der deutschen Bundesregierung hat Wirtschaftsminister Peter Altmeier das Cloud-Projekt Gaia-X präsentiert. Mit dem Projekt wolle man einen Teil der digitalen Wertschöpfungskette wieder zurück nach Europa holen, so die Idee.
Mit Gaia-X soll ein digitales Ökosystem geschaffen werden, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können, erklärt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in einer Mitteilung. "Wir wollen nicht nur Zuschauer sein, wir wollen gestalten", sagte der Wirtschaftsminister in seiner Eröffnungsrede am Digital-Gipfel.
"Keine Konkurrenz zu US-Hyperscalern"
Mit Gaia-X soll Europa ein Stück weit unabhängiger werden und die Souveränität im Umgang mit den Daten von Bürgern sowie Unternehmen gestärkt werden, schreibt das BMBF.
Das neue System soll aber "ganz entschieden nicht als Konkurrenz zu den grossen amerikanischen Anbietern wie Amazon, Google oder Microsoft" sein, heisst es weiter. Es soll als Ergänzung aufgebaut werden, um europäischen Unternehmen die Wahlmöglichkeit zu bieten, auf welchen Servern und mit welchen Sicherheitsstandards sensible Daten gelagert werden. Ziel sei die Schaffung eines europäischen Raums für die Datenspeicherung und -verarbeitung. "Denn die Macht über die Daten in Europa soll nicht mehr in den Händen einiger weniger internationaler Konzerne liegen", so das BMBF.
"Europa wird damit die Souveränität über die sichere wirtschaftliche Nutzung von Daten durch den Aufbau eigener Strukturen auf Cloud-Servern gewinnen", sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.
Gemeinsam sollen die Unternehmen ein RZ-Netzwerk aufbauen; ein System, bei dem die Serverkapazitäten verschiedener Unternehmen zusammengeschlossen werden. Dadurch soll ein skalierbares Netz entstehen, berichtete 'Die Zeit' im Vorfeld.
Basis ist der "sichere Datenraum"
Ganz neu ist die Idee laut BMBF nicht. Ein Grundstein habe man mit der Initiative zum "International Data Space" (IDS) gelegt. Seit 2014 werde ein sicherer Datenraum geschaffen, der Unternehmen die souveräne Bewirtschaftung ihrer Datengüter ermögliche. Der IDS ist massgeblich bei der Ausgestaltung von Gaia-X eingebunden und soll mit seiner Expertise und seinen Partnern zum Erfolg beitragen.
In diesem Datenraum würden schon heute 100 Unternehmen zusammenarbeiten und Daten austauschen. Gaia-X soll auch dazu beitragen, die Erkenntnisse aus der Forschung schneller in die Unternehmen zu bringen, schreibt das BMBF.
Betrieb ab Ende 2020
Informationen zu praktischen Aspekten gibt es bislang wenige. Angedacht ist eine zentrale Organisation. Dabei sei die Bildung einer Europäischen Genossenschaft denkbar, an der sich die interessierten Partner beteiligen können. Die zentrale Organisation solle sich dann um "Festlegung und Spezifizierung der technischen Anforderungen" kümmern, heisst beim deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Informationen zu den geplanten Kosten und nötigen Ressourcen – beispielsweise der Bedarf an Entwicklern – gibt es hingegen noch nicht.
Bereits im zweiten Quartal 2020 seien erste Tests geplant und Ende 2020 soll der Live-Betrieb mit ersten Anbietern und Anwendungen starten.
Deutsche Unternehmen wie SAP, Siemens, die Deutsche Telekom oder die Deutsche Bank sollen massgeblich an der Entwicklung beteiligt sein, schreibt 'Die Zeit'. Auch Behörden seien an Bord sowie Unternehmen aus Frankreich. Ziel sei es, weitere Partner in Europa zu gewinnen.
Wie das BMBF weiter schreibt, stand die Veranstaltung unter dem Eindruck des schweren Sturzes von Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Er war kurz nach einer Rede von der Bühne gestürzt und hatte sich dabei verletzt. Deshalb wurde das Projekt vom Beauftragten für Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, und der Bundesforschungsministerin Anja Karliczek vorgestellt. (kjo)

Loading

Mehr zum Thema

image

Wie die Schweizer Bevölkerung die Digitalisierung wahrnimmt

Cybergefahren werden präsenter, E-Government-Vorhaben nicht: Die Stiftung Risiko-Dialog hat der Schweiz auf den digitalen Zahn gefühlt.

publiziert am 2.2.2023
image

Cyberangriff auf Adesso Deutschland

Kriminelle haben Systeme kompromittiert und Daten kopiert. Kundendaten sind laut dem IT-Dienstleister nicht abgeflossen.

publiziert am 2.2.2023
image

Basel führt Pflichtfach Medien und Informatik in der Sek ein

Bislang wurden die Themenbereiche Medien und Informatik in anderen Fächern zusammen gebündelt. Ab dem Schuljahr 2024/2025 will Basel-Stadt das ändern.

publiziert am 1.2.2023
image

Wo steht die Schweiz bei der Digitalisierung?

Das Bundesamt für Statistik hat eine Reihe von Indikatoren gebüschelt. Eine klare Antwort geben sie nicht.

publiziert am 31.1.2023