Digitaler Euro: Datenschutz ist wichtigste Eigenschaft

14. April 2021, 12:30
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Die Europäische Zentralbank (EZB) fragte die Öffentlichkeit, was sie von einem digitalen Euro erwartet und was von der Technologie dazu.

Das wichtigste Merkmal eines digitalen Euro sei der Datenschutz, berichtet die Europäische Zentralbank EZB als Fazit einer Umfrage unter Privatpersonen und Fachleuten.
Soweit sieht sich die EZB – die sich wie fast alle Zentralbanken für digitales Zentralbankengeld interessiert – in ihren Annahmen bestätigt.
Am wichtigsten sind laut den Antwortenden:
  1. Datenschutz (für 43% der Umfrageteilnehmer)
  2. Sicherheit (18%)
  3. EU-weit gültiges Zahlungsmittel (11%)
  4. keine zusätzlichen Kosten (9%)
  5. Offline-Nutzbarkeit (8%).
Die Resultate basieren auf mehr als 8000 Umfrageteilnehmern, und Experten wie normale Bürger seien sich beim Datenschutz als wichtigste Eigenschaft einig. Im Profibereich gelte dies insbesondere für Händler und sonstige Unternehmen. "Beide Gruppen sind der Ansicht, dass illegalen Aktivitäten vorgebeugt werden muss", heisst es dazu, es seien weniger als 10% der Meinung, dass völlige Anonymität gewährleistet sein müsse.
40% der antwortenden Privatpersonen schlagen vor, dass digitale Euro-Transaktionen entweder für Intermediäre oder die Zentralbank sichtbar sein sollten. "Dies würde die Anwendung der Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AML/CFT) effektiv ermöglichen", kommentiert die EZB.
Anders sehen dies die Banker: Nur 10% der Fachleute ‒ meist aus dem Bankensektor ‒ hält Datentransparenz für äusserst wichtig. Ein Viertel befürwortet einen selektiven Datenschutz, bei dem Transaktionen unterhalb eines bestimmten Betrags privat bleiben würden.
Einig sind sich viele Befragte, dass der digitale Euro "Bargeld-Features" bieten müsse. Zu diesen Features kann man auch zählen, dass die Integration des digitalen Euro in bestehende Bank- und Zahlungssysteme vielen Antwortenden wichtig ist.

DLT-Einsatz prüfenswert

Der EZB-Bericht zeigt auch, dass viele Vorschläge für die technologische Basis von den Befragten eingingen. 25% der Bürger würden es bevorzugen, wenn eine Smartcard als ein sicheres Element im Smartphone zum Einsatz kommt, um bargeldähnliche Funktionen zu ermöglichen. Fast die Hälfte erwähnt die Notwendigkeit von Halte-Limiten, gestaffelten Vergütungen oder einer Kombination aus beidem, um die Menge der im Umlauf befindlichen digitalen Euro zu steuern. Ein ähnlicher Anteil der professionellen Befragten stimmte dem zu.
Nur wenige Befragte sind der Meinung, dass eine Kombination aus Software- und Hardware-Lösungen angeboten werden sollte: Sogar nur ein Drittel der Fachleute schlägt eine Kombination aus Software- (z. B. Wallet, App) und Hardware-Lösungen (Karte, sicheres Element in einem Gerät, dedizierter Speicher oder Gerät) vor.
Geht es um die darunterliegende Infrastruktur, so ist etwa ein Drittel der befragten Bürger der Meinung, dass speziell eine dezentrale Infrastruktur (einschliesslich DLT/Blockchain) ernsthaft geprüft werden müsse.
Die Antworten sind nicht repräsentativ, da jedermann teilnehmen konnte. Das Interesse am Thema war von Anfang gross. Und Gültigkeit hätten die Resulte des Berichtes für die EZB dennoch: "Ein digitaler Euro kann nur erfolgreich sein, wenn er die Bedürfnisse der Europäer erfüllt“, sagt Fabio Panetta seitens des EZB-Direktoriums: "Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass ein digitaler Euro die Erwartungen der Bürger erfüllt, die in der öffentlichen Konsultation hervorgehoben wurden."
Eine Entscheidung über die mögliche Einführung eines digitalen Euro wird nach Angaben der EZB aber "noch Jahre dauern". Die EZB werde ihre Arbeit an dem Vorhaben so zügig wie möglich vorantreiben, sagte Panetta vor Medien.

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