EFK: Fiscal-IT hat Performanceprobleme, unklare Betriebskosten

24. Oktober 2018, 21:05
  • e-government
  • efk
image

Der Prüfbericht zum Insieme-Nachfolger zeigt grosse Probleme.

Der Prüfbericht zum Insieme-Nachfolger zeigt grosse Probleme.
Das 2012 gestoppte Informatikprojekt Insieme der Eidgenössischen Steuerverwaltung war ein Millionengrab –- scheint aber ebenfalls ein Sorgenfall. Die Systeme sind unzuverlässig und zu wenig leistungsfähig.
Das hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem gerade veröffentlichten Bericht festgestellt. Die alte Anwendung für die direkte Bundessteuer wurde im Oktober 2017 durch das neue System DIFAS abgelöst. Dieses wies damals noch zahlreiche Mängel auf, die bis Ende Jahr nicht behoben werden konnten.
Gemäss dem Bericht dauerte zum Beispiel das Öffnen eines Dokuments bis zu 20 Sekunden. Es fehlten Filtermöglichkeiten, die Prüfung von Rückerstattungen lief nicht automatisch. Wegen solcher Hindernisse bearbeiteten die Mitarbeitenden in den ersten Monaten nach der Umstellung nur rund einen Drittel der üblichen Anzahl Formulare.
Noch keine Effizienzsteigerung
Vor allem aber konnten weder Mahnungen noch Zinsrechnungen verschickt werden. Zum Zeitpunkt der EFK-Prüfung im Frühling 2018 waren 2500 überfällige Forderungen über rund 1,8 Milliarden Franken offen. Nach Angaben der Steuerverwaltung ist dieser Betrag inzwischen um rund zwei Drittel gesunken.
Das Ziel, mit der neuen IT die Effizienz zu steigern, sei noch nicht erreicht, schreibt die Finanzkontrolle. Hauptursachen seien mangelhafte Funktionalität und Performance. Zudem seien zwar Automatisierungen ermöglicht worden, diese würden aber noch nicht eingesetzt.
Einen gewissen Einbruch der Produktivität nach der Einführung von neuen Systemen hält die Finanzkontrolle für unvermeidbar – aber nicht in dem Umfang, wie er bei der Steuerverwaltung festgestellt wurde. Es sei unklar, ob sich die Fachbereiche wieder den früheren Produktivitätswerten annäherten, heisst es im Bericht. In ihrer Stellungnahme schreibt die Steuerverwaltung, dass die Automatisierungen nach und nach in Betrieb genommen würden.
Betriebskosten unklar
Probleme ortet die EFK auch beim Betrieb. Die Betriebsstrukturen für die neuen Anwendungen seien noch nicht stabil, schreibt sie. Das hat auch zur Folge, dass die Betriebskosten noch nicht abgeschätzt werden können. Ob gegenüber den alten Systemen tatsächlich Einsparungen erzielt werden können, ist laut EFK unklar.
Die Steuerverwaltung hat nun ein Projekt gestartet, um die Performance und die Stabilität der Systeme zu verbessern. Dies soll auch dazu beitragen, die Betriebskosten zu senken.
Neue Sicherheitsrisiken
Die Sicherheit ist in dem Bericht ebenfalls ein Thema. Die EFK sieht neue Risiken und gibt dazu zwei Empfehlungen mit hoher Priorität ab. Deren Inhalt ist nicht bekannt, da das entsprechende Kapitel im Bericht eingeschwärzt wurde.
Mitte 2018 hat die Steuerverwaltung auch die neue Mehrwertsteuer-Anwendung eingeführt. Diese hat die EFK nicht untersucht. Bis Ende Jahr soll das ganze Projekt umgesetzt sein. (sda/hjm)

Loading

Mehr zum Thema

image

Justitia 4.0: Anwälte können Portokosten sparen

Nächstes Jahr startet die Entwicklung von Justitia 4.0. Im Interview erläutert Gesamtprojektleiter Jacques Bühler, wie er Anwälte überzeugen will, warum die Post auf Millionen verzichten muss und weshalb das Mitmachen der Kantone freiwillig ist.

publiziert am 23.9.2022
image

Die Steuerverwaltung zentralisiert ihre Online-Dienste

Alle E-Services der ESTV werden ab November über das ePortal des Finanzdepartements zugänglich. Zudem sollen dort neue Services angeboten werden.

publiziert am 23.9.2022
image

Podcast: Eh, eh, eh... EPD, E-Impfbüechli und E-ID

Ein neuer Anlauf mit dem digitalen Impfbüechli steht bevor. Und auch beim EPD solls endlich vorwärtsgehen. Aber kommt das gut? Darüber reden wir in der aktuellen Podcast-Folge und sagen, was das alles mit der E-ID zu tun hat.

publiziert am 23.9.2022
image

Berner Verwaltung soll Verfügungen digital signieren können

Das KAIO sucht einen Anbieter von Standardsoftware für qualifizierte elektronische Unterschriften.

publiziert am 21.9.2022