Ein Fisch, ein Fisch!

7. September 2007, 16:08
  • kolumne
image

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
Als Redaktor hat mans schön: Fast jeden Tag flattert eine Einladung zu einem luxuriösen Event - von der Trüffelorgie (eine Lüge - es gibt keine Trüffelorgien) bis zum Tête à Tête mit Steve Ballmer - ins Haus. Wir kennen uns in den Fünfstern-Hotels von Kopenhagen bis Lissabon aus und Sushi ist unser tägliches Brot. Und erzählen Sie uns nichts über Weine: Wir wissen schon alles.
Nicht nur das. Der Pöstler ächzt unter der Last all der USB-Sticks, Tassen-Warmhalter, Picknick-Sets, Antiviren-Software, Mäuse mit und ohne Kabel (funktionierend und nicht funktionierend), teuren Kugelschreiber mit eingebauten USB-Speicher und Laserpointer, Sekt, bayrischen Wurstspezialitäten und SIM-Karten-Duplizierer, die er uns täglich anschleikt.
Und dann das: In schnödes Zeitungspapier eingewickelt - passenderweise ist es die Medien-Seite einer deutschen Gross-Zeitung - ohne Absender ein längliches Paket. Mit professionell gelangweiltem Blick reissen wir das Paket auf. Heraus kommt ein Fisch. Ein roter Fisch! Sonst nix.
Was wollten uns die Absender sagen? Die Redaktion rätselt. Gut dass wir Maurizio Minetti haben. Ein Secondo mit Wurzeln im tiefen Süden Italiens, der während der Journi-Ausbildung zum Thema Mafia arbeitete. Was also bedeutet es, wenn man einen Fisch zugesandt bekommt, lieber Mauri? Die Botschaft ist einfach und klar: "Du hättest stumm wie ein Hering sein sollen. Und weil Du es nicht warst, wirst Du, mit ein bisschen Beton an den Füssen, bei den denselben sein!". Oho! Wem sind wir da wieder auf die Füsse getreten? Und warum hat in dem als Packmaterial missbrauchten Produkt des deutschen Gross-Feuilletons einen Artikel mit dem Titel "Allah für alle". Sind wir nun die Ayatollahs des IT-Journalismus?
Wir sind uns ja einiges gewöhnt von unserer empfindlichen Leserschaft, die auch nur die leiseste Andeutung von journalistischer Distanz als persönlichen Affront nimmt und grad die Werbung abbestellt. (Nein - Sie sind natürlich nicht gemeint. Ihre Kritik können wir vollauf verstehen, sie haben ja recht, wir werdens wieder tun...) Aber gleich einen Fisch versenden? Warum nicht gleich einen abgehakten Pferdekopf ins Bett legen, hä? Oder eine nette kleine Pistolenkugel (Kaliber .45 - das haut auch lange Journis um) im Couvert?
Doch gemach! Die Absender wollten - obwohl aus Deutschland und da sollte man sich doch unterdessen mit der Mafia auskennen, oder? - offenbar nur um ein bisschen Aufmerksamkeit buhlen. Das ist gelungen. Trotzdem schreiben wir über diesen kleinen Werbefilm nix. Ist zwar lustig, aber Propaganda. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

IT-Woche: Keine gute Woche für den IT-Journalismus

Bei der 'Computerworld' wurde ein folgenschwerer Fehlentscheid getroffen.

publiziert am 3.2.2023
image

Vor 16 Jahren: Windows Vista erscheint

War es das schlechteste Windows aller Zeiten?

publiziert am 3.2.2023
image

10?! Sabrina Storck, COO SAP Schweiz

Die Chief Operating Officer von SAP Schweiz erklärt, wie sich ihre Rolle als "Innenministerin" des Unternehmens wandelt und was es mit der Halbwertszeit von Ferienfotos auf sich hat.

publiziert am 2.2.2023
image

Due Diligence: Hydromea

In dieser Kolumne schreibt Ramon Forster regelmässig über Schweizer Tech-Startups. Heute unter der Lupe: Hydromea aus Renens (VD).

publiziert am 2.2.2023