Exklusiv! Switch will in den freien Markt

12. Juni 2009, 14:14
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Switch gründet Firma und will Hosting- und E-Mail-Lösungen sowie Domainregistrierungen verkaufen. Provider sind "not amused".

Switch gründet Firma und will Hosting- und E-Mail-Lösungen sowie Domainregistrierungen verkaufen. Provider sind "not amused".
Die Stiftung Switch, die vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) als einzige Registry für .ch- und .li-Domainnamen konzessioniert ist, sorgt für Unruhe unter Schweizer Internet-Providern. Grund ist die Gründung der Firma Switchplus AG mit der man unter anderem in den Hosting-Markt einsteigen will. Die am 8. Mai 2009 neu ins Handelsregister eingetragene Tochterfirma bezweckt laut Eintrag "den Verkauf und das Anbieten von Internetlösungen, insbesondere die Registrierung von Domainnamen, Betrieb von E-Mail, Hosting von Webseiten und den Softwarevertrieb".
Switch-Konzession läuft 2015 aus
Wie Marco D'Alessandro, Mediensprecher von Switch, gegenüber inside-it.ch erklärt, will man mit der Gründung der Tochterfirma eine klare Trennung zwischen dem konzessionierten Geschäft von Switch (dem Betrieb der Registry, also der zentralen Datenbank, wo alle .ch- und .li-Domains gespeichert werden) und dem nicht-konzessionierten Geschäft von Switchplus schaffen. Hintergrund sei der im März 2015 auslaufende Konzessionsvertrag mit dem BAKOM. Gemäss D'Alessandro ist es "unsicher, ob und in welcher Form ein neuer Vertrag zustande kommen wird". Dadurch entstehe für Switch ein "substanzielles Risiko", sowohl auf der Ertragsseite, als auch für die rund dreissig in diesem Bereich beschäftigten Mitarbeitenden. Man müsse deshalb bereits heute an der Zukunftssicherung für den Bereich Internet Domains arbeiten. Zudem wünschen die Switch-Kunden, dass zusätzliche Dienstleistungen angeboten werden, was zwar nicht neu, aber im Rahmen einer 2009 durchgeführten Kundenumfrage "klar bestätigt" worden sei.
Die Befürchtung, dass Switch mit ihrer Tochterfirma die bisherigen Partner, also Domain-Registrare und Hostingfirmen, konkurrenziert, sorgt jedoch für einige Unruhe unter den Schweizer Internet-Providern. Wie uns ein Vertreter eines grossen Providers sagte, hat man vor allem Bedenken, weil mit Geld aus einer Stiftung aus dem staatlichen Umfeld private Firmen konkurrenziert werden sollen. Dazu komme, dass Switch durch ihre bisherige "Monopolstellung" im Domainbereich von einem äusserst guten Ruf profitiert und automatisch mit "Internet" in Verbindung gebracht wird.
D'Alessandro beruhigt allerdings: "Switchplus wird gegenüber den kommerziellen Anbietern nicht als Konkurrenz, sondern als gleichberechtigter Registrar auftreten." Man habe mit den Registraren bereits Gespräche geführt, und diese zeigten Verständnis für diesen "logischen Schritt". Nicht von der Hand zu weisen sind jedoch Befürchtungen, dass Switchplus als Tochterfirma von Switch zumindest theoretisch Zugriff auf den gesamten Bestand der .ch- und .li-Domaininhaber hat und diese für ihre Zwecke nutzen könnte.
Modell USA als Vorbild?
Die Aussagen D'Alessandros deuten darauf hin, dass in der Schweiz nach 2015 ein Domain-Registrierungsmodell nach dem Vorbild der USA eingeführt werden könnte. Dort fungierte die Firma "Network Solutions" (NSI) lange Jahre als alleinige Registrierstelle für .com-, .net-, .org- und weitere Domains, ähnlich wie Switch in der Schweiz. Im Jahr 1999 wurde dort das sogenannte "Shared Registration System" (SRS) eingeführt und der Markt somit für mehrere gleichberechtigte Registrare freigegeben. NSI erhielt den Zuschlag für den Betrieb des eigentlichen Registry-Systems, über welche die akkreditierten Registrare Zugriff auf die Datenbank zur Registrierung von Domains erhielten. Da der Vertrag zur Führung dieser Registry das gleichzeitige Auftreten im Markt als Domainverkäufer verbietet, nahm NSI einige Umfirmierungen vor und betreibt heute einerseits die Registry und tritt aber auch unter dem Namen Network Solutions als akkreditierter Registrar auf.
Die Äusserungen von Switch-Sprecher D'Alessandro, etwa betreffend der Trennung des konzessionierten und nicht-konzessionierten Geschäfts oder dass Switchplus als "gleichberechtigter Registrar" auftreten werde, lassen tatsächlich den Schluss zu, dass die Reise der .ch- und .li-Domains in Richtung eines "Shared Registration Systems" gehen könnte.
Gemäss D'Alessandro soll Switchplus ihre Tätigkeit in den nächsten Monaten aufnehmen und zunächst als Registrar für Domain-Namen auftreten. Das mit einem Aktienkapital von 200'000 Franken aus dem Stiftungsvermögen von Switch gegründete Unternehmen startet vorerst mit zwei Mitarbeitern. Als Direktor im Handelsregister eingetragen ist der deutsche Wolfram Schmidt, der früher als CEO bei Betty TV tätig war und derzeit als Projektleiter bei Switch angestellt ist. (Tom Brühwiler/Recherche: hc)

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