Fiscal-IT zeigt: Bundesvorgaben beissen sich mit agilen Methoden

8. Oktober 2020 um 12:04
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Die EFK hat den Schlussbericht zum Grossprojekt Fiscal-IT vorgelegt. Der Tenor ist positiv, es gibt aber nach wie vor einige Mängel.

"Die Betriebskosten belaufen sich auf jährlich rund 20 Millionen Franken" und das sei nach Einschätzung der Eidgenössischen Steuerverwaltung zu hoch. Dies schreibt die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) zum beendeten IKT-Schlüsselprojekt Fiscal-IT.
Das riesige Vorhaben wurde bereits Ende 2018 abgeschlossen. Im Projekt wurden Systeme der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) neu aufgebaut und in die gemeinsame Betriebsorganisation "Core-IT" mit dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) überführt.
Fiscal-IT war immer wieder in den Fokus von Kritik gerückt. Als Nachfolgeprojekt des Millionengrabes Insieme stand das Projekt unter besonderer Beobachtung. Und schliesslich musste die ESTV bekannt geben, dass man statt der budgetierten 85 Millionen Franken über 118 Millionen ausgegeben hatte.
Noch kurz vor Abschluss des Projektes hatte die EFK nicht mit Kritik am System gegeizt. Unter anderem wurden mangelhafte Funktionalität und Performance moniert. Im nun vorgelegten Abschlussbericht klingt der Tenor anders. Bezüglich eines nachhaltigen und robusten Betriebs heisst es: "Die neuen Betriebsstrukturen haben sich dafür bewährt und die neuen Systeme funktionieren zum Prüfungszeitpunkt stabil."
Dank des Projekts hätten 98,4 Vollzeitstellen eingespart werden können, wovon ein Viertel in den Aufbau der Betriebsstrukturen von Core-IT umgelagert worden seien.

Mängel bei den Stammdaten und den Vorgaben des Bundes

Auch die Zusammenarbeit der Teams von BIT und ESTV nach SAFe in agilen Teams erwähnt die EFK positiv. Allerdings gibt es hier einen Wermutstropfen: Die Vorgaben auf Bundesebene würden in Sachen Leistungsverrechnung und Projektmanagement nicht mehr zum agilen Vorgehen passen. Man müsse diesen Ansatz – gerade in Hinblick auf die Transformation des BIT in Richtung DevOps – grundsätzlich hinterfragen, so die EFK.
Ohne die konsequente Einbindung der verschiedenen Querschnittsrollen in die agilen Prozesse könnten deren Anforderungen nicht nachhaltig umgesetzt werden. So könnten etwa Security-Anforderungen in künftigen Releases verloren gehen. Die EFK empfiehlt: "Die Rollen müssen enger eingebunden sein und deren Anforderungen müssen messbar in die Planung, Entwicklung und Produktion einfliessen."
Verbesserungspotential verorten die Prüfenden auch in der besseren Koordination der Stammdaten. Hierfür gibt es bereits eine Roadmap, die die Planung für die gemeinsame Nutzung fachlicher Stammdaten aber frühestens ab 2022 vorsieht. Die EFK hält fest, dass es sich negativ auswirken werde, falls die laufenden Grossprojekte wie Superb oder DaziT diese Thematik isoliert lösen wollten.
Das drohende Problem zeigt die EFK an der Biersteuer auf: Dort habe die Einführung einer neuen Identifikationsnummer dazu geführt, dass Steuerpflichtige für ihre Steuergeschäfte mit dem Bund zwei Konten gehabt hätten. Das Problem sei schliesslich erkannt worden, das Generalsekretariat des Finanzdepartements müsse nun aber die Wiederverwendung der bestehenden Stammdaten mindestens in den laufenden Vorhaben sicherstellen.

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