Fortschritt oder Rückschlag für Schweizer Softwareindustrie?
Der Suchmaschinen- und Werberiese Google übernimmt Teile des Luzerner Internet-Karten-Spezialisten Endoxon. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Drei Geschäftseinheiten von Endoxon, nämlich Kartografie, Handel von Geodaten und Geo-Marketing wurden am 23. November in eine neuen Firma, der Mappuls AG unter der Leitung von Bruno Muff ausgelagert. 20 Mitarbeitende wechselten von Endoxon zu Mappuls
Google übernahm also "nur" die Geschäftseinheiten mit Internet- und Mobile-Bezug. Die Übernahme von Endoxon verstärkten die Ingenieurs-Ressurcen von Google in Europa, heisst es auf den "FAQs" (frequently asked questions), die bereits heute den
Webauftritt von Endoxon vollständig ersetzen. Endoxon hat Karten aus Luftbildern digitalisiert, mit Zusatzinformationen verknüpft und daraus innovative Kartenprodukte entwickelt. Das Know-how der Endoxon-Leute werde Google helfen, die Funktionalität von Google Earth und Google Maps auszubauen und zu verbessern, heisst es im Statement von Google.
Google verkauft Endoxon-Lösungen und Services nicht mehr
Auf eben dieser "FAQ"-Seite heisst es, dass Google alle existierenden Verträge und Verpflichtungen erfüllen werde. Auf die Frage allerdings, ob man weiterhin Produkte und Dienstleistungen von Endoxon kaufen könne, heisst es schlicht: "No. Endoxon will discontinue selling Endoxon products and services."
Google-Sprecher Kay Overbeck betont allerdings gegenüber inside-it.ch, dass dies nur für neue Kunden gilt. Bestehende Kunden können gemäss Overbeck weiterhin vertragsgemäss Dienstleistungen von Endoxon beziehen.
Search.ch auf der sicheren Seite - und die anderen?
Einer der grossen Partner und Kunden von Endoxon war die Posttochter search.ch, deren raffinierte Dienste wie etwa das preisgekrönte immo.search.ch oder map.search.ch auf
Endoxon-Technologie aufgebaut ist. Wie uns mit der Sache vertraute Insider aber sagen, sind die Dienstleistungen von search.ch nicht gefährdet, da die Software teils von search.ch selbst entwickelt wurde und teils gekauft worden ist und unabhängig weiter entwickelt werden kann.
Wie es um andere Endoxon-Kunden, wie etwa die PubliGroupe-Tochter local.ch, steht, die ebenfalls Endoxon-Technologie für die Internet-Dienste benützt, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Die Bitte um Rückruf wurde (noch) nicht beantwortet. Ein weiterer Kunde von Endoxon ist die deutsche Seite goyellow.de.
Da die Endoxon-Leute künftig ausschliesslich für Google entwickeln werden, kann man sich fragen, ob die Übernahme durch Google nun eine Auszeichnung für den Software-Werkplatz Schweiz bedeutet oder einen Rückschritt für den hiesigen Software-Marktplatz. Die von Google übernommenen Endoxon-Mitarbeiter werden übrigens per Anfang nächstes Jahr ins Zürcher Google-Hauptquartier umziehen. (Christoph Hugenschmidt)