Gratis-Tablets für den Schulunterricht

31. Oktober 2014, 10:45
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Die Sekundar- und Realschüler der Region Hoch-Ybrig lernen künftig mit Hilfe von Tablets. Die Hardware wurde von Samsung gesponsert.

Die Sekundar- und Realschüler der Region Hoch-Ybrig lernen künftig mit Hilfe von Tablets. Die Hardware wurde von Samsung gesponsert.
An der Mittelpunktschule Unteriberg besitzen alle rund 80 Schülerinnen und Schüler seit Ende Oktober ein Samsung-Tablet. Das Gleiche gilt für die Lehrerschaft. Der Startschuss für den "Samsung Smart Classroom" fiel am 30. Oktober im Rahmen einer feierlichen Zeremonie mit illustren Gästen: Neben Vertretern von Samsung Schweiz und Europa, der Schulleitung und dem Rektor aller Bezirksschulen fanden mit Bezirksammann Sandro Patierno und Ständerat Peter Föhn auch zwei politische Schwergewichte des Zentralschweizer Kantons in die MPS-Aula – neben sämtlichen Schülern.
Das zeigt, dass die Behörden der Digitalisierung der Bildungswerkzeuge offenbar einige Bedeutung zumessen. Und: Die Schüler werden nicht einfach als Versuchsobjekte eingesetzt, sondern von Anfang an als Hauptakteure des Tablet-basierten Unterrichts wahrgenommen – sonst hätten sich die geladenen Gäste zusammen mit den Lehrern ja einfach im kleinen Kreis zuprosten können.
Das Smart-Classroom-Konzept ist Bestandteil von Samsungs globalem Corporate-Citizenship-Programm. Damit will sich das Unternehmen "als verantwortungsvolles Mitglied in der Gesellschaft verankern" – und natürlich vor allem auch sein Image pflegen und die Schüler auf die Marke einstimmen.
Laut Martin Kathriner, bei Samsung Schweiz für das Programm zuständig, soll der Smart Classroom an insgesamt acht bis zehn Schulen umgesetzt werden; die MPS Unteriberg ist die erste davon. In Unteriberg hat Samsung der Schule rund 140 Tablets und zwei 75-Zoll-Bildschirme spendiert. Die Schule verpflichtet sich im Gegenzug, Samsung während einer gewissen Zeit über die Erfahrungen mit dem Tablet-basierten Unterricht zu berichten.
Samsung erhält so wertvolles Feedback, während die Schule in Zeiten immer knapperer Budgets gratis zu modernen Unterrichtsmitteln kommt. Zusätzlich zur Hardwaregabe bietet der Hersteller auch technische Trainings für die Lehrer an. Damit lässt sich der sattsam bekannte Effekt mildern, dass die Schüler oft mehr über die digitalen Möglichkeiten wissen als ältere Generationen.
Schwyz stark auf Digitalkurs
Der Einwurf von Martin Kathriner, man befinde sich hinsichtlich digitalem Unterricht hierzulande noch "in der Kreidezeit", gilt zumindest für den Kanton Schwyz nicht. Neben anderen Schulprojekten mit Tablets und Smartphones wie etwa in St. Gallen können Fünft- und Sechstklässler der Gemeindeschule nach dem BYOD-Prinzip ihre eigenen Geräte für den Unterricht nutzen – das nennt sich "Brings mIT" und steht im krassen Gegensatz zum Prinzip vieler anderer Schulen, an denen nur schon der Handygebrauch strikt verboten ist.
Die Idee, die hinter den Projekten und auch hinter dem Smart Classroom steckt: Es ist besser, wenn jeder Lernende sein eigenes Gerät besitzt, das er ständig nutzen kann. Besser als ein separater Computerraum, ein paar wenige PCs im Klassenzimmer oder ein "Wägeli" mit Laptops, das nach der Lektion weggeschlossen wird. Die "1:1-Ausstattung" der Schüler mit digitalen Mitteln hat der Kanton Schwyz für die Sekundarstufe I als Ziel sogar in seiner ICT-Strategie verankert.
Auf dem eigenen Gerät, so ein Lehrer, würden Schüler dank spielerisch angelegter Apps sogar in der Freizeit Kopfrechnen üben. Und sie könnten sich digital gut aufbereiteten Lehrstoff im eigenen Tempo aneignen, statt dem zeitlich starren herkömmlichen Frontalunterricht folgen zu müssen.
Lehrer einbeziehen wichtig
Dass dies für die Lehrerinnen und Lehrer eine Herausforderung bedeutet, liegt auf der Hand. Wenn die Digitalisierung in der Bildung ihre Vorteile ausspielen soll, müssen sich nicht nur die Lehrmittel, sondern auch die Unterrichtsmethoden ändern. Für Beat Döbeli Honegger, Professor an der Pädagogischen Hochschule Schwyz, sind neben den Geräten selbst zwei weitere Erfolgsfaktoren ausschlaggebend: Der Wille der Lehrer, die neuen Mittel auch wirklich einzusetzen und das Wissen, was technisch und didaktisch möglich ist: "Es gilt die Lehrpersonen zu überzeugen, dass digitale Medien für ihr Fach und ihre Schulstufe etwas bringen." Denn letztlich entscheidet auch im Smart Classroom immer noch die Lehrperson, wie sich der Unterricht gestaltet und wann welche Lehrmittel zum Einsatz kommen. (Urs Binder)

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