Harte Kritik am Waadtländer Bedag-Deal

17. Dezember 2008 um 16:42
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Outsourcing statt Partnerschaft, Missachtung von Parlamentsbeschlüssen, fehlende Kontrolle von SLAs und dann erst noch 17 Millionen verlocht...

Outsourcing statt Partnerschaft, Missachtung von Parlamentsbeschlüssen, fehlende Kontrolle von SLAs und dann erst noch 17 Millionen verlocht...
Der erst 2007 geschaffene Waadtländer Rechnungshof veröffentlichte letzte Woche seinen ersten Untersuchungsbericht. Thema: Der Outsourcing-Deal des Kantons Waadt mit der Berner Bedag. Das Fazit der Waadtländer Rechnungsprüfer fällt für die Kantonsregierung schlicht vernichtend aus.
Statt, wie ursprünglich vom Kantonsparlament vorgesehen, eine Informatik-Partnerschaft mit dem Kanton Bern aufzubauen und sich Ressourcen zu teilen, sei es zu einem schlichten Outsourcing der Informatik an die Berner Bedag gekommen, was vom Parlament zuvor explizit abgelehnt worden war. Zudem sei die kantonale Informatik-Organisation (CCE.VD, Centre Cantonal d'Exploitation), die als Partnerin gegenüber Bern hätte auftreten sollen, nie geschaffen worden. Dies ist ein eklatanter Verstoss der Regierung gegenüber Parlament und Volk, gibt es doch sogar ein gültiges Gesetz aus dem Jahre 2000, das die Schaffung des CCE.VD vorschreibt.
Weiter kritisiert der Bericht, dass der Kanton Waadt zwar seine Informatik an die Bedag auslagerte, sich aber an der Aktiengesellschaft, der sich in Besitz des Kantons Bern befindet, nicht beteiligen konnte. So seien alle Gewinne, die der Deal Bedag bescherte, nach Bern geflossen. Der Bericht schätzt, dass damit dem Kanton 17 Millionen Franken als Gewinnanteil entging. Als die Bedag in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, hätte man alle Verträge neu verhandeln müssen, kritisiert der Rechnungshof.
SLAs ignoriert statt kontrolliert
Kernstück jedes Outsourcing-Deals sind so genannte 'Service Level Agreements' (SLAs, französisch: ANS), in denen die Leistungen und Pflichten der Partner genau definiert werden. Noch 2005, vier Jahre nach Unterzeichnung des Deals waren die SLAs zwischen dem Kanton Waadt und Bedag offenbar noch nicht einmal unterschrieben, so der haarsträubende Befund der Rechnungsprüfer. Und auch die vorgesehenen Audits und Analysen der Leistungen der Bedag sind offenbar schlicht unterlassen worden. Und wenn es dann SLAs gab, so der Bericht, seien diese nicht oder nur teilweise oder erst ab 2005 seitens der Bedag eingehalten worden, heisst es überdeutlich in dem Bericht. Alleine das Fehlen verschiedener Dokumentationen hat in den Augen der Direktion für Informatik des Kantons Waadt einen Schaden von drei Millionen Franken verursacht!
"Verlust der Kontrolle". Unbekannte Datensicherheit
Der Bericht des Rechnungshofs dürfte zum Standardwerk für Outsourcing-Kritiker werden. Er kommt nämlich zum Schluss, dass der Kanton Waadt die Kontrolle über die Vertragsbeziehungen zu Bedag verloren habe. Während mehrerer Jahre habe es an Kontrolle gefehlt zumal es wiederholt zu Wechseln unter den Verantwortlichen auf verschiedenen Hierarchiestufen gekommen sei.
Wie sich der Kontrollverlust in Zahlen ausgewirkt hat, sieht man auf Seite 37 des Berichts. Bezahlte der Kanton Waadt 2001 noch 22 Millionen Franken, so kostete der Bedag Deal 2007 bereits 35 Millionen Franken.
Auch bezüglich Datensicherheit stellt der Bericht dem Bedag-Deal schlicht katastrophale Noten aus. Ob und in welchem Umfang Bedag Datensicherheit gewährleiste, sei wegen fehlenden Kontrollen und Indikatoren schlicht unbekannt, so der Waadtländer Rechnungshof.
Nachforderungen gegenüber Bedag?
Der Bericht endet mit insgesamt 21 Empfehlungen des Rechnungshofs. Eine davon ist die Forderung nach Nachverhandlungen mit Bedag um wenigstens einen Teil der nicht-realisierten Leistungen noch zu bekommen.
Ob der Kanton Waadt bei Bedag mit der Forderung nach Nachverhandlungen auf offene Ohren stossen wird, ist mehr als fraglich. Denn die Waadt hat bereits Ende November die Verträge mit Bedag per Ende Juli 2009 gekündigt.
Dem zuständigen Waadtländer Regierungsrat, dem Grünen François Marthaler, der seit 2004 für die Informatik verantwortlich ist, dürfte der ausgesprochen kritische Bericht durchaus recht kommen. Er habe die Ohrfeige des Rechnungshofs mit einem Lächeln entgegengenommen, schrieb '24heures' gestern. "Ich teile die meisten Schlussfolgerungen des Berichts," so Marthaler zu '24 heures'. Tatsächlich dürfte der Bericht Wasser auf die Mühle des grünen Regierungsrats sein, will er doch die kantonale Informatik ab August 2009 in das gesetzlich seit Jahren vorgeschriebene CCE.VD überführen. (Christoph Hugenschmidt)
Der Waadtländer Cour des Comptes hat den 48-seitigen Untersuchungsbericht gestern veröffentlicht. (Klick öffnet PDF). Ein wahres "Handbuch für Outsourcing-Feinde."
(Foto: Das Château Saint-Maire in Lausanne, der offizielle Sitz der Waadtländer Kantonsregierung.)

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