Weil die Firewalls im Schweizer Netzwerk der Credit Suisse gestern zeitweise ausgefallen sind, waren viele IT-Dienste nicht oder nur teilweise verfügbar. Ist der Spardruck schuld?
Tatsächlich konnten Mitarbeitende der Grossbank in der Schweiz gestern nicht oder wenn, dann nur zeitweise auf Dienste wie E-Mails zugreifen. Auch das Handelssystem war gemäss 'Inside Paradeplatz' nicht verfügbar, die Händler mussten angeblich ihre Aufträge per Telefon abwickeln. Credit-Suisse-Sprecherin Daniela Häsler wiegelt auf Anfrage ab: "Technische Probleme beeinträchtigten am Donnerstag unsere elektronischen Systeme in der Schweiz". Weiter Auskünfte wollte die Grossbank nicht geben.
Insider haben uns weitergeholfen: Die gestrigen Informatik-Probleme von Credit Suisse Schweiz sind nicht bei zentralen Systemen aufgetaucht, sondern im Netzwerk. Offenbar ist ein Software-Update der Firewalls im internen Netzwerk von CS schief gelaufen. Die Firewalls verweigerten deshalb teilweise den Dienst. So konnte man nicht über Outlook auf den Mail-Server zugreifen, seine Mails aber über Smartphones und Webclients abrufen.
Nachdem man dann die Firewalls wieder zum Laufen gebracht hatte, wurden sie von so vielen Anfragen überflutet, dass das Netzwerk noch längere Zeit instabil blieb. Man habe wenigstens Zeit für ein ausführliches Mittagessen gehabt, schreibt ein anonymer Kommentator auf 'Inside Paradeplatz'. Und die Feierabend-Bars seien schon um fünf Uhr Abends gut gefüllt gewesen, weil es nichts zu tun gab, erzählte uns ein Insider.
Opfer der Sparwut?
Das Netzwerk der Credit Suisse wird von Swisscom betrieben. Allerdings ist der Dienstleister nicht für die Konfiguration der Firewalls und das Testen von neuen Konfigurationen zuständig, hört man aus der Grossbank. Swisscom wollte gegenüber inside-it.ch keine Fragen beantworten, sondern verwies an die Pressestelle des Kunden.
Der Fehler scheint also in der internen Informatik der Grossbank passiert zu sein. "Da hat jemand zu wenig getestet", sagen Fachleute übereinstimmend.
Der Verdacht, dass der gewaltige Spardruck, der auf der Credit-Suisse-Informatik lastet, zum gestrigen Ausfall geführt habe, liegt nahe. So machen Kommentatoren auf 'Inside Paradeplatz' insbesondere COO Kirsty Roth verantwortlich. Sie soll die IT-Abteilung so brutal unter Spardruck gesetzt haben, dass die lebenswichtige Informatik-Infrastruktur der Bank gefährdet sei, heisst es in der Online-Zeitung. (Christoph Hugenschmidt)