HP brennt Feuerwerk für Channel-Partner ab

17. April 2008, 08:47
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Unser Korrespondent Volker Richert berichtet exklusiv für inside-channels.ch von der HP Preferred Partner Conference in San Francisco.

Unser Korrespondent Volker Richert berichtet exklusiv für inside-channels.ch von der HP Preferred Partner Conference in San Francisco.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es waren reale Feuerwerksraketen, die Hewlett-Packard am Abend des ersten Tages der diesjährigen "Preferred Partner Conference" für ihre rund 650 EMEA-Partner – 13 davon aus der Schweiz - in der Bucht von San Francisco abbrannte. Denn gleichzeitig mit dem Treffen der Channel-Partner aus der Alten Welt kann HP in diesem Jahr den 70. Geburtstag des Silicon Valley in der Neuen Welt feiern. Auf einer Halbinsel etwas südlich von San Francisco, in Palo Alto, steht die Garage der Firmengründer William Hewlett und David Packard, sie gilt als der Geburtsort des Silicon Valley und steht heute unter Denkmalschutz. HP, 1938 von den beiden Herren mit Tonfrequenzgeneratoren und etwas mehr als 500 Dollar Startkapital gegründet, zählt heute zu den attraktivsten und erfolgreichsten Unternehmen der IT-Branche.
Der erste Tag der Preferred Partner Conference war allerdings längst nicht so imponierend wie das Feuerwerkspektakel am Abend. Zur Eröffnungssession trat ein selbstbewusster – permanent an einer Wasserflasche nuckelnder - Mark Hurd vor die versammelten Partner. Für einmal schien es dem HP-CEO nicht so sehr auf die Zahlen anzukommen (die ohnehin besser kaum sein können). Vielmehr variierte er neben dem Aufruf zu mehr Wachstum immer wieder den Begriff "simplifying": Von der Technik über die Services bis zum Umgang mit den Partnern selbst soll es einfacher werden bei HP. Und um das zu verdeutlichen, hatte Hurd seinen Microsoft-Kollegen Steve Ballmer für einen Exkurs über die anstehenden IT-Entwicklungen auf die Bühne geholt. Der sprach insbesondere zwei Bereiche an: Unified Communication und Virtualisierung vom PC und Server bis hin zu Printing und Anwendungen. Nicht nur Steve Ballmer - von dem man Channel-freundliche Aussagen gewohnt ist - sondern auch Mark Hurd sprach sich dezidiert für den Channel aus. Erstmals in dieser Deutlichkeit, wie Daniel Jäggli, Chef der Leuchter Informatik, registrierte: "Offensichtlich hat nun auch Mark gemerkt, dass es den Channel braucht".
Frontkämpfer für HP und Microsoft: "Frontline Partner"
Gemeinsam wollen HP und Microsoft aus ihren Gold-Preferred- bzw. Gold-Certified-Partnern eine Gruppe von rund 500 sogenannten "Frontline Partnern" in der Region EMEA aufbauen, die die künftigen Business-Bereiche gewissermassen vorspuren sollen. Ab November 2008 wird die Auswahl der Partner beginnen, die im Juni 2009 abgeschlossen sein soll. Es war Hurd, der Ballmer immer wieder auf die Schulter klopfte, um zu unterstreichen, dass man sich 100-prozentig einig sei in der Sache – und ohne den Channel sei diese Initiative nicht zu realisieren. Doch Konkretes gibt es zu diesem Thema erst am morgigen Tag der Partner-Konferenz.
Da HP die wichtigeren Neuigkeiten an den Preferred Partner Conferences erst am zweiten Tag in speziellen Sessions weiterzugeben pflegt, blieb das Plenum weitgehend ohne Fragen. Ja, das Design der HP-Drucker werde sich künftig stärker von dem der Dell- und Epson-Geräten unterscheiden, sagte HPs Drucker-Chef Vyomesh Joshi auf eine entsprechende Frage. Wirkliche Probleme, so sah es jedenfalls auf der Bühne aus, sind das nicht.
Printing statt Printer
Immerhin gab HP in drei Keynotes unmissverständlich vor, wohin die Reise in den Kernbereichen gehen soll. Für den Sektor TSG (Technology System Group) sind künftig Device-unabhängige Services zu erwarten und zudem sollen besonders kleinere KMU mit bis zu 100 Arbeitsplätzen gezielter als bisher adressiert werden, wie TSG-Chefin Ann Livermore erklärte. Die PSG (Personal System Group) werde die Entwicklung hin zum trendigen Consumerprodukt im Unternehmen vorantreiben und sich neue Aufgabenfelder erschliessen, liess der Verantwortliche Todd Bradley verlauten. Und die IPG (Imaging and Printing Group) werde sich laut Vyomesh Joshi vom Druckerverkauf weg und hin zur Drucklösung entwickeln: "Printing statt Printer" war sein Schlagwort. – Konkreteres wird, wie erwähnt, morgen erwartet.
Wachstum mit wem?
Der erste Tag der HP-Partnerkonferenz liess einige Fragen offen. Was verbirgt sich hinter dem Konzept der "Frontline Partner"?. Dem stark fragmentierten Schweizer Channel könnten kaum die Strukturen übergestülpt werden, wie sie im stark konzentrierten Channel etwa in Grossbritannien, Dänemark oder Österreich herrschen, meint Jäggli. Er erwartet, dass die Schweizer HP-Verantwortlichen sich für die lokalen Eigenarten stark machen werden.
Unklar ist aber auch noch, wie das von Mark Hurd geforderte Wachstum von HP erreicht werden kann. "Es ist ja schön, dass HP gemäss Hurd das Wachstum mit den bestehenden Partnern erreichen will", sagt Jäggli, "doch das heisst ja wohl auch, wenn wir nicht wachsen, dann kommen neue Partner". Er liest aus Hurds Worten durchaus eine Drohung.
In einem weiteren Bereich erwartet Jäggli am morgigen Tag Aufklärung: Das stärkere Zusammengehen des Channels von HP mit dem von Microsoft trifft auf sehr unterschiedliche Kulturen. Höre man doch beispielsweise bei Microsoft in der Schweiz viel weniger auf die Channel-Partner als bei HP, wie Jäggli festhält.
Interessant übrigens auch, welche Themen sich den Schweizer HP-Channel-Partnern nicht stellen: Bei Fragen nach den Margen, nach der dereinst neu aufgestellte Konkurrentin Dell oder nach der Reporting-Wut von HP winken zumindest hier im warmen Kalifornien die Anwesenden gelangweilt ab. (Volker Richert)
Foto: HP-CEO Mark Hurd und Microsoft-Chef Steve Ballmer spannen zusammen.

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