HP verscherbelt in den USA TouchPads zu absoluten Schleuderpreisen und kreiert sich und dem Retail eine Menge Ungemach.
Endlich wollte sie doch noch jemand haben, HPs bisher notorisch ladenhüterische TouchPads. Oder besser gesagt: Es waren sogar ziemlich viele Kunden, die letzten Samstag plötzlich den Drang nach einem TouchPad verspürten. Nach der überraschenden Ankündigung Ende letzte Woche,
sein Business mit iPad-ähnlichen Tablets und Smartphones mit webOS aufzugeben erst vor sieben Wochen lancierten Tablets. Damit dürfte HP frei nach dem Motto "Was lange währt, wird endlich ganz übel" noch einiges draufzahlen müssen, um die Dinger wenigstens noch aus den Lagern und Läden zu schaufeln.
Server Down
Bei HPs E-Commerce-Abteilung scheint man aber trotzdem keine besonders erhöhten Nachfrage eingeplant zu haben. Die HP-eigene Website für Touchpad-Bestellungen ging zeitweise in die Knie, Besucher erhielten Datenbankfehler- und "Seite nicht erreichbar"-Meldungen und manchmal "vergass" das System auch den neuen Liquidationspreis, wie US-Medien berichten. Anscheinend hat da niemand daran gedacht, dass sich HPs eigene Server & Storage-Abteilung doch eigentlich damit brüstet, die ideale "adaptive" Infratsruktur für solche Belastungsspitzen zu haben. Auch das Call Center für Telefonbestellungen war anscheinend am Samstag kaum erreichbar.
Fairerweise muss man wohl sagen, dass die verantwortlichen Abteilung wohl auch kaum eine grosse Vorlaufzeit hatte. Wie 'Cnet' gerüchteweise erfahren hat, soll sogar Todd Bradley, der Chef von HPs PC-Abteilung, erst am Mittwochabend bei einem Dinner mit CEO Léo Apotheker von den bevorstehenden Umbrüchen erfahren haben.
Verärgerte Retailer
Für Sorgenfalten sorgte HP mit seinen TouchPad-Schleuderpreisen auch bei seinen Retail-Partnern. Auch grosse Ketten wie Amazon.com, Target, Walmart oder Best Buy waren schnell ausverkauft und mussten enttäuschte Kunden abwimmeln. Abgewiesene bestürmten danach andere Händler, die bei der Liquidationsaktion gar nicht oder nur teilweise mitmachen wollten, und diese mussten darüber diskutieren, ob sie einen nachträglichen Rabatt auszahlen.
Als Folge der Aktion dürfte HP seinen Retail-Partnern zudem einiges an Entschädigungen für Verluste auf ihren Lagerbeständen und andere Kosten bezahlen müssen. Zudem wird die Retailer sowie andere Tablet-Hersteller – ausser wahrscheinlich wiedereinmal Apple – nun die Frage umtreiben, ob HPs Hauruck-Aktion die Preislandschaft für Tablets nachhaltig verändert. In der Szene der Technoblogs wurde jedenfalls intensiv diskutiert, was andere Tablets "danach" noch kosten dürfen, beziehungsweise was Kunden noch zu bezahlen bereit sein werden, nachdem HP ihnen nun die Idee eines TouchPads für Hundert Dollar in den Kopf gesetzt hat. (Hans Jörg Maron)