IT-Shrink: Entkrampfen. Jetzt.

22. Dezember 2015 um 16:35
  • kolumne
image

Annette Kielholz über den rätselhaften Humor der Informatiker.

In gewissen Zeiten braucht man Humor dringender als sonst. Zum Beispiel jetzt. Darum hier ein Informatikerwitz: Was sind die drei Todfeinde des Informatikers? Tageslicht, frische Luft und das unerträgliche Geschrei der Vögel.
Lustig, nicht? Wenn man etwas ausführlicher über Informatiker lachen will, ist die Ausbeute auf Google nicht so ergiebig. So ergibt die Suche nach "Informatikerwitze" nur rund 2000 Treffer (im Gegensatz zu 39‘400 Hits bei "Musikerwitze" und 112‘000 bei "Blondinenwitze"). Und was dort als "Informatikerwitz" gekennzeichnet ist, hat oft wenig bis gar nichts mit Informatik zu tun, sondern sind eigentlich Witze über die Freuden und Leiden von Computer-Anwendern.
Informatiker haben aber auch selber Humor. Er ist einfach etwas anders als derjenige der Restbevölkerung. Ich weiss das, weil ich auf unseren firmeninternen ROTFL-Mailverteiler. Oder dies hier (sogar richtig romantisch): "I always thought love was an abstract class until you made an instance of it." Zugegeben, mir als Shrink erschliessen sich diese Witze nicht so intuitiv. Aber zum Glück kann ich meine Bürogspänli fragen – meistens verstehe ich danach die Pointe.
Viele Informatiker sind in Primzahlen und in die Zahl Pi vernarrt. Auch 42 Jahre.
Als Shrink kann ich dieses Phänomen nur begrüssen. Denn Humor ist nützlich: Lachen hilft aus festgefahrenen Denkmustern auszubrechen, Spannungen abzubauen und kann sogar heilende Wirkung haben. Und, nicht zu vergessen: So lange man Witze machen darf, herrscht keine Diktatur. Ein Verbot oder die Abwesenheit von Witzen sollte uns daher immer ein wenig stutzig machen. Mein Kinderpsychologie-Studium in den 90er-Jahren habe ich zum Beispiel als nicht ausgesprochen humorvoll erlebt. Vielleicht, weil man sich mit so ernsten Themen wie Kleinkindererziehung, Moralentwicklung und systemischer Familientherapie befassen musste? Aber schon damals gab es zum Glück – die Informatik! Sie bescherte uns das World Wide Web und ermöglichte mir, als Hilfsassistentin meine erste Witzesammlung auf der Uni-Website zu pflegen (ja, sowas durfte man damals noch), die dem psychologischen Institut zu unverhofft viel Webtraffic verhalf. Dass es mich nach dem Studium eher zur Informatik als zur Schulpsychologie zog, hat vielleicht auch damit zu tun.
"Ich bin gleich fertig!" Mit diesem kürzesten Informatikerwitz verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche allerseits frohe Weihnachten!
Annette Kielholz ist Kommunikationsverantwortliche bei Ergon Informatik. Sie hat Psychologie und Volkswirtschaft studiert und findet in der Informatik seit 1999 reichlich Stoff für Analysen.

Loading

Mehr zum Thema

image

Schlicht und einfach: Das Ende des Wilden Westens

Die Softwareentwicklung bekommt mit regulatorischen Vorgaben neue Leitplanken gesteckt. Sheriffs übernehmen die Kontrolle im Wilden Westen, meint Kolumnist Markus Schlichting.

publiziert am 19.6.2026
image

Von Hensch zu Mensch: 60 IT-Stellen weg. Na und?

Die Post schweigt zum Stellenabbau in der IT. Kolumnist Jean-Marc Hensch ist verwundert über die seltsame Stille eines Unternehmens, das uns alle kennt.

publiziert am 12.6.2026
image

DSI Insights: Wie viel verraten digitale Daten über unsere Städte?

Wir haben mehr Daten über unsere Städte als je zuvor. Und dennoch bleiben wichtige Fragen offen.

publiziert am 8.6.2026
image

SATW insights: Wie Schweizer Firmen KI verantwortungsbewusst einsetzen

Ein Chatbot halluziniert falsche Produktdaten. Ein Bewerbungsalgorithmus benachteiligt Frauen. Was nach lösbaren Problemen klingt, entpuppt sich in der Praxis als komplexes Geflecht aus Ethik, Rechtsfragen und Verhalten.

publiziert am 22.5.2026