Jeder Schweizer Bank fehlt eine ganzheitliche Datenstrategie

4. Oktober 2021, 11:54
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An der neunten "Swiss Digital Finance Conference" wurde kritisiert, dass keine Schweizer Bank eine konsolidierte Datenstrategie verfolgt. Die Denke in den Häusern sei immer noch zu stark prozessorientiert.

"Chatbots kommen im Finanzsektor an und übernehmen den ersten Kundenkontakt", sagte Georges Grivas, Organisator der "Swiss Digital Finance Conference", die am Freitag in Rotkreuz stattfand. Weitere Trends seien Open-Banking und Digital Payments. 46% der Schweizer Bevölkerung hätten schon mal getwintet, sagte Grivas.

Banken und der "verdammte" Chatbot

Während bei den zwei letzten Punkten weitestgehend Konsens herrschte, wurde die Sinnhaftigkeit der Chatbots in Frage gestellt: "Was will eine 'Julius Bär' mit einem verdammten Chatbot?" fragte David Kauer von der Postfinance, und meinte damit, dass diese Technologie bei seinem Unternehmen besser skaliere und damit relevanter sei. Private Banking sei dagegen nach wie vor stark vom persönlichen Kontakt geprägt. "Bank ist nicht gleich Bank", so Kauer.
"Bank ist gleich Bank", gilt beim Umgang mit Daten dann doch. Amancio Bouza, CPO bei Contovista, zeigte auf, wie sich ein Finanzinstitut aufstellen muss, um daten- statt prozessgetrieben zu sein: "Sie müssen Kundinnen und Kunden ganzheitlich verstehen", so Bouza. Dazu gehören laut der Präsentation Bouzas nicht nur Transaktionen und die jeweilige finanzielle Situation, sondern auch persönliche Präferenzen, um bevorstehende Käufe zu erahnen. Nur wenn Banken wie Netflix oder Amazon wissen, was Kundinnen und Kunden gerne konsumieren, können sie zum richtigen Zeitpunkt eine Hypothek anbieten, so die Theorie.

Wo sind die Datenstrategien?

In der Praxis ist das noch nicht so weit. Thomas Zerndt, Leiter des Business Engineering Institutes St. Gallen (BEI) sagte, dass er keine Bank kenne, die über eine hohe Datenqualität verfügt. Das sei nicht in deren DNA, Prozessdenken dominiere. "Deshalb sind Banken diesbezüglich noch ganz am Anfang", aber die Ausgangslage sei gut. Banken hätten eine gute Vertrauensposition in der Bevölkerung, die sie jetzt nutzen könnten. "Ich kenne keine Bank mit einer konsolidierten Datenstrategie, dafür aber eine Menge Digitalprojekte, mit denen Unmengen an Geld versenkt worden sind", so Zerndt.

Kommunikation ist wichtiger als Security

Was bedeutet das für die Zukunft des Schweizer Bankings? Wichtig sei, dass Banken glaubhaft und transparent kommunizieren, wie sie mit Kundendaten umgehen und wofür sie diese einsetzen, sagte Thomas Zerndt. Kommunikation sei wichtiger als Security.
Hoffnung für die Branche versprühte auch Martin Widmer, Leiter Data Analytics & Compliance bei Finnova: "Ich bin sicher, dass es Banken noch einen Moment lang geben wird. In welcher Form auch immer."
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner der Swiss Digital Finance Conference.

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