John Lay Electronics am Ende

3. November 2011, 13:47
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Panasonic kündigt Generalvertretungsvertrag. John Lay steigt aus dem UE-Distributionsgeschäft aus. 87 Mitarbeiter verlieren die Stelle, 35 können zu Panasonic. Keine Panasonic-Logistik mehr in der Schweiz.

Panasonic kündigt Generalvertretungsvertrag. John Lay steigt aus dem UE-Distributionsgeschäft aus. 87 Mitarbeiter verlieren die Stelle, 35 können zu Panasonic. Keine Panasonic-Logistik mehr in der Schweiz.
Gestern Abend kam das Aus für die John Lay Electronics AG. Wie das Unternehmen mitteilt, hat Panasonic den Generalvertretungsvertrag, der Ende März 2012 ausläuft, nicht verlängert. Panasonic wird eine eigene Niederlassung in der Schweiz aufbauen und bietet dafür 35 Mitarbeitenden von John Lay eine neue Stelle an. 87 Mitarbeitende von John Lay Electronics verlieren hingegen ihre Stelle.
Logistik und Kundensupport werden von Panasonic Europa übernommen, wie Panasonic-Sprecherin Anne Günnewig auf Anfrage sagte. Günnewig: "Wir werden auf die Ressourcen von Panasonic zurückgreifen, während wir für Vertrieb, Marketing und Finanzen eine Niederlassung in der Schweiz aufbauen."
Also sucht Leute
Gemäss John Lay gibt es einen Sozialplan, der auch von Panasonic unterstützt wird. Zudem will John Lay für die 19 Lehrlinge neue Lehrbetriebe suchen. Ausserdem hat der benachbarte Emmer Distributor Also gewisse Stellen offen, wie Also-Chef Marc Schnyder sagt: "Wir haben im stark wachsenden Service-Geschäft offene Stellen und sind interessiert, gewisse Mitarbeitenden zu übernehmen." Auch könnte Also gewisse Lehrverträge übernehmen, so Schnyder.
Vom Untergang von John Lay Electronics nicht betroffen ist John Lay Solutions. Das Multimedia-Unternehmen wachse und beschäftige 30 Mitarbeitende, heisst es aus Luzern.
Margendruck im UE-Geschäft
Das Ende von John Lay kommt nicht überraschend. Denn das Geschäftsmodell der Herstellervertretung, die einen Markt für einen einzigen Hersteller aufbaut und für Logistik und Service sorgt, ist seit längerem unter Druck. So stiegen etwa die Wädenswiler Excom (Epson), Dicom (Samsung) und Ozalid (Toshiba) schon vor Jahren aus dem Geschäft aus.
Der Druck auf die Marge im UE-Geschäft zwinge Panasonic dazu, möglichst "effiziente Länderorganistionen" aufzubauen und auf zentrale Ressourcen in Europa zuzugreifen, so Günnewig. "Der Markt ist sehr hart geworden".
Zudem rücke Panasonic mit einer eigenen Niederlassung in der Schweiz näher an Händler und Endkunden, sagt Günnewig. "Wir haben gute Erfahrungen mit der direkten Bedienung der Märkte", so die Sprecherin.
"Bis zuletzt verhandelt"
John-Lay-CEO Erich Fust kann in einem kurzen Telefongespräch mit inside-channels.ch eine gewisse Bitterkeit nicht verbergen. Man habe bis zuletzt mit Panasonic konstruktive Gespräche geführt und Vorschläge gemacht, wie John Lay in die europäische Vertriebsstrategie von Panasonic passen könnte. Der Entscheid des japanischen Herstellers sei nun überraschend gekommen, so Fust. Dass letztlich Preis- und Margendruck zum Entscheid von Panasonic geführt hat, bestätigt auch Fust. "Es ist nicht das gleiche, ein 10'000-Franken-TV-Gerät zu reparieren, wie eines, das 400 Franken gekostet hat", so Fust. Für John Lay sei Service ein strategischer Geschäftsteil, während Panasonic Produktentwicklung, Marketing und Verkauf als strategisch betrachte und Logistik und Service auslagert. "Und da spielt der Preis eine zentrale Rolle", erklärt Fust.
Wo die neue Niederlassung von Panasonic in der Schweiz aufgebaut wird, ist noch nicht klar. Der japanische UE-Hersteller wird aber in der Region Luzern bleiben, da man ja einen Teil der John-Lay-Belegschaft übernehmen will.
Verrechnet sich Panasonic?
Panasonic reagiert also auf sinkende Preise und Margen, indem die Kosten für Logistik und Service reduziert werden. Die Logistik wird zentralisiert und der Service an günstigere Standorte ausgelagert.
Ob die Rechnung aufgeht, wird davon abhängen, ob Panasonic Marktanteile in der Schweiz wegen der tieferen Service-Qualität verlieren wird und ob es gelingt, die Bedürfnisse gewisser Retailer (Media Markt) auch aus der zentralen Logistik heraus zu bedienen. (Christoph Hugenschmidt)

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