Kanton Luzern hat gravierende Probleme mit seiner Schul­software

29. Juni 2021, 14:28
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Die Schulen des Kantons sollten eigentlich schon seit drei Jahren eine einheitliche Software benutzen. Aber sie läuft nicht gut, berichten Anwender.

Wie der 'Bote der Urschweiz' und die 'Luzerner Zeitung' berichten, haben die Schulen des Kantons grosse Probleme mit einer Software zur Verwaltung der Daten von Schülern und dem Lehrpersonal. "Educase" hätte eigentlich ab 2019 in allen Volksschulen und Kantonalen Schulen von Luzern eingeführt werden sollen, und die Gemeinden zahlen auch bereits dafür. Aber auch heute handle es sich immer noch um ein "Halbfertigprodukt", das die Arbeit der Schulverwaltungen behindere statt erleichtere, berichten die Zeitungen aufgrund der Aussagen einiger Schulleiter.
Educase soll Daten von Schülern und Lehrpersonen wie Adressen und andere persönliche Daten, Schulwechsel, besuchte Fächer, Stufenübertritte und ähnliches verwalten. Die standardisierte Schulsoftware soll zwei gegenwärtig verwendete Programme ersetzen. In vielen Gemeinden, so der 'Bote', sei ein über 20 Jahre altes Programm im Einsatz, das damals von einem Rektor entwickelt wurde. In grösseren Gemeinden verwende man die Software "Scolaris", die aber auch "nicht perfekt" sei.

Performance-Probleme, Funktionalität wird kritisiert

Bei den Problemen mit der neuen Standard-Software scheint es sich sowohl um Performance-Probleme als auch mangelhafte Funktionalitäten und Bugs zu handeln.
Der Leiter der Stadtschulen Sursee, die im Spätherbst 2020 auf Educase umgestiegen sind, erklärte gegenüber dem 'Boten', dass das Anzeigen einer Schülerliste manchmal zehn, bis zwanzig Minuten dauern könne. Das Filtern von Klassen nach bestimmten Kriterien brauche sehr viele Klicks. Und manchmal würden Geburtsdaten falsch angezeigt, obwohl das System mit dem kantonalen Datenregister verbunden sei. Dies sei unter anderem belastend und nervig, weil man ja alle Probleme an Base-Net, das Unternehmen das Educase entwickelt, melden muss.
Der Rektor der Volksschulen Willisau berichtet, dass das Programm unter Schulleitern ein grosses Thema sei, weil es den Schulalltag ausbremse. Wenn zum Beispiel eine Lehrperson ihren Arbeitsort von einer Gemeinde in eine andere verlege, dann könne die neue Schule die Adressdaten erst an ihrem ersten Arbeitstag ins System einpflegen.

Politiker schalten sich ein

Willisau selbst setzt aber Educase noch nicht ein, ebensowenig wie die Volksschulen der Stadt Luzern. Deren Rektorin erklärte, dass man warten werde, bis die neue Software "tadellos einsatzfähig" sei. Andere Quellen des 'Boten' meinen, dass man das ganze Projekt überdenken sollte, wenn nicht bald Besserung eintritt.
Der Megger Gemeindepräsident und GLP-Kantonsrat Urs Brücker hat nun eine Anfrage an den Regierungsrat eingereicht und fragt, ob der Roll-out unter diesen Umständen weiterhin stattfinden solle.
Das kantonale Bildungs- und Kulturdepartement erklärte gegenüber dem 'Boten', dass man gemäss Terminplan unter Hochdruck mit dem Lieferanten zusammenarbeite und eine gute Lösung für alle Volksschulen anstrebe, wollte aber wegen der hängigen Anfrage von Brücker keine weiteren Fragen von Medien beantworten. Auch das Surseer Unternehmen Base-Net erklärte dasselbe.

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