Das Schweizer Briefgeheimnis scheint doch nicht vollkommen gewährleistet zu sein. Die digitalen Briefe der Schweizerischen Post werden auf Servern von Google gespeichert, wie das Konsumentenmagazin '
K-Tipp' (Paywall) berichtet.
Mit der "ePost" können Dokumente sowie Briefe über die Post-App versendet werden. Die digitalen Briefe werden beim Versand verschlüsselt, für die Weiterleitung von der Post geöffnet und anschliessend mit dem Schlüssel der empfangenden Person erneut verschlüsselt. Die Post zwinge den Kundinnen und Kunden für die Nutzung allerdings
die konzerneigene SwissID auf, schreibt 'K-Tipp'. Ohne diese sei die App kaum brauchbar.
Gemäss dem Magazin erfolgt das Öffnen und die Verarbeitung der Sendungen vollautomatisiert auf Servern von Google. Google könne auf diese Umgebung nicht zugreifen. Dort soll die ePost 90 Tage lang gespeichert bleiben. Beim Ver- und Entschlüsselungsprozess sei der Brief aber als Klartext im Computersystem ersichtlich, so 'K-Tipp'. Der Bundesrat erklärte dieses Jahr im Nationalrat, dass die
Datensicherheit Verantwortung der Post sei.
Menschliche Eingriffe seien in diesem Prozess "nur in definierten Ausnahmefällen und unter strengen Kontrollen" möglich, erklärte die Post gegenüber dem Magazin. Die Sicherheit eines grossen Cloud-Dienstes wie Google überwiege zudem das Risiko, dass ein US-Konzern auf digitale Sendungen zugreife, betonte das Unternehmen. Doch US-Strafverfolgungsbehörden könnten unter dem "Cloud Act" diese Konzerne verpflichten, Daten herauszugeben. Der Bundesrat lässt derzeit den
Umgang mit dem "Cloud Act" prüfen.
Der digitale Brief gehört seit April zur
postalischen Grundversorgung. Die Nutzung des Angebots ist freiwillig, weshalb die Post ein hybrides System betreiben muss, wenn jemand elektronisch aufgegebene Sendungen nach wie vor physisch empfangen möchte. Die Finanzierung der postalischen Grundversorgung muss die Post aus eigenen Mitteln erbringen.