Wir Journalisten, zumindestens diejenigen unter uns, die noch eine Stelle haben, sind ein verwöhntes Völklein. Wir hängen an Kaviar- und Champagner-Partys rum und behaupten, dies sei harte Arbeit, lassen uns zum Zmittag einladen (heute gabs Kalbsschnitzeli) und verbringen den ganzen Tag mit Telefonaten mit charmanten PR-Damen, die uns immer nur loben. Das Zähneknirschen im Hintergrund überhören wir einfach.
Richtig arbeiten müssen wir eigentlich nie - so ein Textli ist doch schnell gemacht. Umso schockierter war unser Kollege Hans Jörg "the brain" Maron, als er am jährlichen Presseanlass von Rotronic doch tatsächlich brutal zu richtiger Arbeit gezwungen wurde (Foto). Der Abend endete tragisch, denn er wurde in der Disziplin Bierhumpen-Bowling zwar seiner Rolle als turmhoher Favorit gerecht, verletzte sich beim Sackgumpen aber schwer und musste mit der Rega ins Luxus-Restaurant zur anschliessenden Völlerei geflogen werden.
Verletzt hat sich möglicherweise auch die arme Kuh, die vom ruchlosen Bauern gezwungen wurde, der ebensolchen Journaille hinzuhalten. Oder ist das rotronische Wettmelken als politische Protestaktion ("Höherer Milchpreis oder wir misshandeln unsere Kühe!") zu werten?
Angesichts der abstürzenden Milchpreise nützt es dann auch nichts mehr, dass das Fürstentum Liechtenstein am 27. August die "Tierzucht-Förderungsverordnung" erlassen hat und (endlich!) auch die Zucht von "Equiden, Neuweltkameliden, Kaninchen, Geflügel und Honigbienen" fördert. Ob im Fürstentum auch die Zucht von Moschusochsen gefördert wird, entzieht sich unserer Kenntnis. Aber Moschusochsen brauchen auch keine fürstliche Förderung, denn: "Schon junge Moschusochsen sind winterfest", wie pte jüngst herausfand.
Fördern müsste man hingegen die Froschzucht, denn diese leiden doch sehr unter der Zivilisation: "Lärmverschmutzung macht Fröschen zu schaffen" (auch dies eine Meldung aus dem unversiegenden Born der Weisheit namens pte). Während einige australische Frösche gegen die Lärmverschmutzung ankämpfen, indem sie einfach lauter Quaken und so ihren für die Fortpflanzung unverzichtbaren "Das-Weibchen-hört-mich-Radius" aufrechterhalten, kennen Kakerlaken all diese Probleme nicht. Niemand will sie melken und falls die Gletscher schmelzen und ihre natürlichen Lebensräume überflutet werden, halten sie einfach den Atem an. Das halten die volle 40 Minuten durch. Messerscharf folgert "Studienleiterin Natalie Schimpf im Fachmagazin Journal of Experimental Biology: Dieses Verhalten kann ihnen in schwierigen Situationen das Leben retten." (Christoph Hugenschmidt)