Marketingfirmen beschweren sich wegen Googles Cookie-Alternative

29. September 2021 um 11:43
  • google
  • technologien
  • regulierung
  • privatsphäre
image

Eine Gruppe von Firmen hat bei der EU-Kommission Beschwerde eingelegt, mit dem Argument, dass Google mit der Technologie den Wettbewerb einschränkt.

Google hat 2019 die Privacy Sandbox vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Massnahmen, die den Usern mehr Datenschutz im Web bieten und dennoch personalisierte Werbung ermöglichen soll. Gegen diese Google-Pläne wehrt sich nun eine Gruppe von Unternehmen: Die "Bewegung für ein offenes Web" (Movement for an Open Web, MOW) hat seine Wurzeln in Grossbritannien, wird aber von Mitgliedern weltweit unterstützt. Das MOW findet, die geplante Privacy Sandbox für den Chrome-Browser würde Google ungeheuer viel Macht einräumen.
Das MOW hat deshalb eine offizielle Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Googles Plan sei schlicht "wettbewerbswidrig". Denn der Techkonzern könne nun selbst entscheiden, welche Daten er teilen möchte, die er aufgrund seiner schieren Grösse und integrierten Dienste erhalte, heisst es in einer Mitteilung der MOW.
Wichtiger Teil der Privacy Sandbox ist "Federated Learning of Cohorts" (FloC). FloC soll die Funktion von Cookies eleganter lösen: Benutzerdaten sollen analysiert werden, dann aber nicht einem Individuum, sondern einer Übergruppe, einer "Kohorte", zugeordnet werden. Ein weiterer Vorschlag ist "Fledge" (First Locally-Executed Decision over Groups Experiment), mit dem die Datenmenge, die via Ad-Server an die Anbieter fliessen, reduziert werden soll. Statt auf den Ad-Servern der Anbieter würden gewisse Aktionen auf Browser- und Geräteebene abgewickelt, wodurch die Drittfirmen weniger Nutzerdaten für die Erstellung von Profilen abschöpfen könnten. 

"Gruselige Data Mining Party"

"Google behauptet, diese Änderungen vorzunehmen, um die Privatsphäre zu schützen, aber wenn sie nicht ordnungsgemäss überwacht werden, bedroht dieser Schritt die digitalen Medien, den Online-Datenschutz und die Innovation", wird James Rosewell, Direktor des MOW, in einer Mitteilung zitiert. Deren Rechtsberater ergänzt: "Google sagt, dass es die 'Privatsphäre' der Endnutzer stärkt, aber das ist nicht der Fall; was Google wirklich vorschlägt, ist eine gruselige Data Mining Party."
Das MOW fordert nun die Wettbewerbshüter, Google zu hindern, die Privacy Sandbox umzusetzen. Konkret fordert der Zusammenschluss etwa eine Aufsicht seitens der Datenschützer und regelmässige Kontrollen durch Wettbewerbsbehörden.
Beim MOW handelt es sich um einen Zusammenschluss von Firmen, die zusammen rund 40 Milliarden Dollar Umsatz auf die Waage bekommen. Ursprünglich wurde die Koalition von Marketing-Unternehmen gegründet. Uneigennützige Privacy-Bedenken dürfen also nicht vermutet werden: Die Koalition schätzt, dass ihre Unterstützer mit rund 21'000 Werbetreibenden zusammenarbeiten.
Die Privacy Sandbox war auch von anderer Seite unter Beschuss geraten, etwa die amerikanische Datenschützer-Organisation EFF oder die Browser-Entwickler von Vivaldi, Brave und DuckDuckGo hatten Kritik formuliert.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Seco mietet sich in RZ von NTS ein

Das Staatssekretariat für Wirtschaft schliesst ein eigenes Rechenzentrum. Zum Preis von 10,8 Millionen Franken wird ins RZ "Colobern Nord" gezügelt.

publiziert am 8.10.2026
imageAbo

Huawei-Hardware kostet die ETH 7,6 Millionen

Die Hochschule erneuert ihre Wlan-Komponenten des Herstellers Huawei. Cancom erhält den Lieferauftrag.

publiziert am 7.10.2026
imageAbo

Aussendepartement ersetzt IAM-Lösung

Das Departement sucht eine Nachfolge-Software für den Microsoft Identity Manager. 2027 soll mit der Ablösung begonnen werden.

publiziert am 6.10.2026
image

OpenAI stellt Mitarbeitende fristlos vor die Tür

Wer sensible interne Informationen preisgibt, riskiert beim ChatGPT-Entwickler den Job. Nach dem Regelverstoss mussten zwei Sicherheitsforscher und ein Programm-Manager gehen.

publiziert am 2.10.2026