Neue Vorwürfe gegen Spyware-Anbieter NSO

19. Juli 2021, 09:50
image

Mit der Überwachungs­software der israelischen Firma NSO sollen Berichten zufolge Journalisten und Aktivisten ausspioniert worden sein.

Ein internationales Journalistenkonsortium hat neue Vorwürfe gegen den israelischen Überwachungssoftware-Anbieter NSO veröffentlicht. IT-Experten fanden den Berichten zufolge auf 37 Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, deren Familienangehörigen und Geschäftsleuten Spuren von Angriffen mit der Pegasus-Software des Unternehmens.
Die Nummern seien Teil eines Datensatzes von mehr als 50'000 Telefonnummern, den die Journalisten gemeinsam mit den Organisationen Forbidden Stories und Amnesty International auswerteten. Die Nummern sollen den Berichten zufolge von NSO-Kunden als potenzielle Ausspähziele ausgewählt worden sein.
NSO wies die Vorwürfe am Sonntag vehement zurück. NSO-Anwalt Thomas Clare sagte gegenüber der 'Washington Post', die an der Untersuchung beteiligt war, das Journalistenteam habe "offenbar entscheidende Quelldaten, auf die es sich stützt, falsch interpretiert und falsch charakterisiert." Die Vorwürfe seien "so empörend und weit von der Realität entfernt", dass NSO eine Verleumdungsklage erwäge.
NSO betont gegenüber der 'Washington Post' weiter, dass es die Systeme, die es an "überprüfte Regierungskunden" verkaufe, nicht betreibe und keinen Zugriff auf die Daten der Zielpersonen seiner Kunden habe.
Dem israelischen Unternehmen war bereits in der Vergangenheit vorgeworfen worden, mit der Software Pegasus totalitären Regierungen bei der Ausspähung von Journalisten und Dissidenten geholfen zu haben.
Bei Pegasus handelt es sich laut dem Security-Unternehmen Avast um ein Remote Access Tool mit Spyware-Eigenschaften. Die Android-Varianten können demnach Daten von beliebten Messenger-Plattformen wie Whatsapp, Facebook und Viber sowie E-Mail-Programmen und Browsern extrahieren. Die Spyware sei in der Lage, den Bildschirm der Benutzer aus der Ferne zu überwachen, Screenshots zu erstellen und die Eingaben auf dem Gerät per Keylogging aufzuzeichnen.

Exportbeschränkungen gefordert

In einer Erklärung prangert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an, was sie als "den weitgehenden Mangel an Regulierung" von Überwachungssoftware bezeichnet. Solange NSO und die gesamte Branche nicht beweisen können, "dass sie in der Lage sind, Menschenrechte zu respektieren, muss es ein sofortiges Moratorium für den Export, den Verkauf, den Transfer und die Nutzung von Überwachungstechnologie geben", schreiben die Menschenrechtler.
Nach den Berichten fordert auch die Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), Monique Hofmann, Einschränkungen für den Export von Überwachungstechnologie. "Autoritäre Staaten nutzen Pegasus, um kritische und oppositionelle Stimmen zum Schweigen zu bringen", betonte sie. "Ausspäh-Software darf nicht an Staaten geliefert werden, in denen immer wieder Menschenrechte verletzt werden." Erst in diesem Jahr habe die Europäische Union mit der Reform der Dual-Use-Verordnung die Chance auf eine solche starke Regulierung verpasst.

Loading

Mehr zum Thema

image

"Die Ransomware-Banden müssen ihre Kriegskassen wieder füllen"

Pascal Lamia, Leiter der operativen Cybersicherheit im Nationalen Security-Zentrum (NCSC), erläutert im Interview die Bedrohungslage in der Schweiz. Und warum er eine Meldepflicht von Hacks für sinnvoll hält.

Von publiziert am 24.5.2022
image

Leichtes Wachstum bei Salt

Salt hat im ersten Quartal 2022 an Umsatz zugelegt. Auch bei den Firmenkunden ist der Telco man gewachsen.

publiziert am 24.5.2022
image

Luzern will IT-Grossprojekte nicht extern untersuchen lassen

Nach Problemen mit mehreren IT-Projekten gab es Forderungen, diese extern überprüfen zu lassen. Das Luzerner Parlament hat nun aber ein entsprechendes Postulat abgelehnt.

publiziert am 23.5.2022
image

Scharfe Kritik an geplanter Revision der Überwachungsregeln

Die Verordnung VÜPF soll auf 5G-Netze ausgeweitet werden. Firmen wie Threema und Proton befürchten einen Ausbau der Überwachung und die Aufhebung von Verschlüsselungen.

publiziert am 23.5.2022