Personalabgänge bei Berner Schul-IT-Projekt Base4Kids

26. Januar 2022 um 11:10
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Der Product Owner Patrick Gerber erklärt uns seinen Kündigungsgrund. Die Direktion für Bildung bedauert seinen und einen weiteren Abgang und erläutert die Auswirkungen auf das Projekt.

Im Dezember 2021 erschien der Untersuchungsbericht der parlamentarischen Aufsichtskommission zum problembehafteten Schul-IT-Projekt "Base4Kids". Zuvor hatte bereits ein externer Expertenbericht des IT-Beraters Mabuco einen Richtungswechsel und eine grundlegende Neustrukturierung des Projekts empfohlen, dazu eine personelle Erneuerung und Veränderungen in der IT-Architektur.
Die Open-Source-Software Collabora wird in Bern durch Microsoft Office 365 ersetzt, und die Bildungsdirektion versicherte, das Projekt sei mittlerweile auf Kurs. Im November hiess es dazu in einer Mitteilung: "Die Neustrukturierung bringt tiefgreifende Änderungen bei der Soft- und Hardware und hat umfassende Aufgabenverschiebungen von bisher externer zu interner Leistungserbringung zur Folge." Weiter seien in Schulamt die Stellen des Product Owners und des Applikationsverantwortlichen geschaffen und besetzt worden.
Die Stelle des Product Owners wurde zu diesem Zeitpunkt mit Patrick Gerber besetzt. In einem Referat erklärte er damals: "Aktuell geht es primär darum, einen stabilen Betrieb der Plattform sicherzustellen. Gleichzeitig bin ich verantwortlich für die kontinuierliche Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der Nutzerbedürfnisse einerseits und der technischen Machbarkeit andererseits."

IT-Experten kündigen noch in der Probezeit

Nun hat Gerber seine Stelle noch in der Probezeit bereits wieder gekündigt, ebenso wie der Applikationsverantwortliche. "Was ist nur los im Berner Schulamt?", fragte sich die 'Berner Zeitung' und titelte: "Nun gehen auch noch die IT-Experten".
Tauchen tatsächlich schon wieder neue Probleme am Berner Schulhorizont auf? Wir haben bei Patrick Gerber nach den Gründen für seine Kündigung nachgefragt. "Im Rahmen des Projektes Base4Kids konnten wir die wichtigsten Optimierungen und Restanzen bis Ende 2021 bereinigen und in den Volksschulen der Stadt Bern einführen", antwortet er schriftlich. Danach habe er eine persönliche Standortbestimmung vorgenommen.

"Ich sehe mich zu wenig im Infrastrukturbereich"

"Da ich vor allem als 'Produktentwickler' im Bereich der individuellen Softwareentwicklung unterwegs bin, musste ich für mich persönlich einfach feststellen, dass im Moment vor allem Expertise im Aufbau einer zukunftsfähigen IT-Organisation notwendig ist, welche nicht beim Schulamt, sondern bei den Informatikdiensten Bern anzusiedeln sind", schreibt Gerber. "Für die pädagogischen Belange benötigt es Fachexpertise aus der Pädagogik, um die künftigen digitalen Lernumgebungen gestalten zu können."
Als Wirtschaftsinformatiker und Marketingspezialist sehe er sich zu wenig im Infrastrukturbereich oder in der Pädagogik. "Deshalb habe ich im Rahmen des Probezeitgesprächs mit meinem Vorgesetzten meine Stelle per 31. Januar 2022 gekündigt."
Bei der Direktion für Bildung, Soziales und Sport (BSS) der Stadt bedauert man die beiden Abgänge sehr, wie Generalsekretär Sven Baumann auf unsere Anfrage erklärt. "Beide Mitarbeitenden engagierten sich kompetent und mit Herzblut für die Schulinformatikplattform. Die Kündigungen sind persönliche Entscheidungen, zu deren Gründen sich die Direktion BSS nicht äussern möchte."

Externe Zwischenlösung soll Betrieb sicherstellen

Die BSS sei nun daran, die Stellenprofile zu überprüfen und baldmöglichst neu auszuschreiben. "Zur Sicherstellung der Kontinuität und des Betriebs soll unverzüglich eine externe ad-interims-Lösung installiert werden", so Baumann weiter. Verhandlungen mit möglichen externen Partnern seien bereits im Gang.
Man sei bestrebt, dass die beschlossene Neustrukturierung fortgeführt werden könne. "Zusammen mit den Informatikdiensten der Stadt Bern konnten bereits einige Umstellungen erfolgreich vollzogen werden." Trotz der Abgänge sei das Projekt auf gutem Weg, im letzten halben Jahr seien viele Meilensteine erreicht worden. "Die Neustrukturierung findet auch bei den Endnutzerinnen und -nutzern Akzeptanz", erklärt Baumann. "Sie soll wie geplant fortgeführt sowie auch der Betrieb der Plattform sichergestellt werden."

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