Pilotphase für Schweizer Corona-Tracing-App startet

25. Mai 2020, 15:27
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Der Pilot und ein öffentlicher Pentest sollen allfällige Mängel aufdecken, bevor die App für alle freigegeben wird.

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 13. Mai eine befristete Verordnung für eine Pilotphase verabschiedet, damit die Corona-Tracing-App "SwissCovid App" getestet werden kann. Diese Pilotphase wurde am Montag, 25. Mai, gestartet.
Am Pilot beteiligen sich laut einer Mitteilung Mitarbeitende der beiden ETHs in Lausanne und Zürich, Armeeangehörige im Ausbildungsdienst, Mitarbeitende einzelner eidgenössischer und kantonaler Verwaltungen, Mitarbeitende von verschiedenen Spitälern und Kliniken sowie ausgesuchten Institutionen und Organisationen.
Der Pilot dauert längstens bis Ende Juni 2020 und soll allfällige technische Mängel und Probleme in der Benutzbarkeit sowie der medizinischen Prozesse aufdecken.
Die SwissCovid App könne mit den aktuellen iOS- und Android-Versionen benutzt werden. Sie enthalten mit der gemeinsam von Google und Apple entwickelten Exposure Notification API eine Schnittstelle für die App. Damit sei die Schweiz das erste Land weltweit, das die Schnittstelle von Google und Apple für das Proximity-Tracing nutzt, schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Pentest startet Ende Mai

Für die User der App soll "ein maximal möglicher Schutz der Privatsphäre" gewährleistet werden, so das BAG. Dazu müsse die App einen entsprechend hohen Grad an Sicherheit aufweisen. Um dies zu erreichen stehen laut Mitteilung ab 28. Mai die Quellcodes des Schweizer Proximity-Tracing-Systems für einen Public Security Test zur Verfügung. Fachleute und interessierte Personen können das System so einem Härtetest unterziehen.
Weitere Informationen zum Pentest sollen zum Start am 28. Mai folgen.

"Überwachung ist nicht möglich"

Die App sei technisch nicht in der Lage, Bewegungsdaten aufzuzeichnen, schreibt das BAG. Vielmehr zeichne sie die Nähe zu anderen Smartphones mit der App auf. Mittels dieser Daten können keine Personen persönlich rückverfolgt werden.
Wenn sich eine Person innerhalb eines Tages über insgesamt fünfzehn Minuten in weniger als zwei Meter Abstand von infizierten Personen aufgehalten habe, sei der Verdacht auf eine mögliche Ansteckung genug gross und die Personen würden informiert. Nach 21 Tagen würden die Daten automatisch unwiderruflich gelöscht, heisst es in einem FAQ des BAG.
"Die Bevölkerung kann beruhigt sein: Eine Überwachung ist nicht möglich", betont Epidemiologe Marcel Salathé. Die App sei so konfiguriert, dass nicht gleichzeitig die Tracing-App und GPS aktiviert sein könnten. Somit würden keine Bewegungsdaten übermittelt.
Nach Angaben von Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, steht die Schweiz im Kontakt mit Gesundheitsämtern im Ausland. "Wir haben ein Interesse daran, dass das Contact-Tracing auch funktioniert, wenn ein deutscher Tourist in der Schweiz mit seiner App unterwegs ist", sagte er.
Die Pilotphase sei wichtig, fügt Salathé an. Die Schweiz werde auch intensiv aus dem Ausland beobachtet.
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Die App soll einem Anwender signalisieren, dass er in längerem Kontakt mit einer Person stand, die anschliessend positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Illustration: EPFL
Die Experten erwähnten mehrmals, dass die App nur ein Hilfsmittel, aber nicht der Heilsbringer sei. Auf keinen Fall sollten Personen, welche die App installiert haben, auf weitere Massnahmen verzichten.
"Es gibt keinen Beweis, dass man mit einer App die Epidemie stoppen kann", sagte Salathé vor Medien. Wenn aber rund 60% der Bevölkerung die App benutzten und sich an die Quarantäne-Anweisungen hielten, könne die Reproduktionszahl (R-Wert) unter 1 gehalten werden. Dieser R-Wert bedeutet, dass jeder Infizierte im Schnitt weniger als einen andern Menschen mit dem Coronavirus ansteckt.

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