RZ-Wettlauf kommt in die heisse Phase

11. Juni 2009, 16:26
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Nach Green und e-shelter steigt nun auch Equinix ins Rennen der Rechenzentrums-Anbieter. Es geht um hunderte Millionen Franken, zehntausende von Quadratmetern und den Stromverbrauch von Kleinstädten.

Nach Green und e-shelter steigt nun auch Equinix ins Rennen der Rechenzentrums-Anbieter. Es geht um hunderte Millionen Franken, zehntausende von Quadratmetern und den Stromverbrauch von Kleinstädten.
Alles spricht von "Cloud Computing", "Software-as-a-Service" und Outsourcing. Doch genauso wie "das Internet" physisch existiert, besteht auch die ominöse "Rechnerwolke", in der die Software der Zukunft betrieben werden soll, ganz konkret aus Beton, Eisen, Glasfasern, Servern und Stromzuleitungen.
Zur Zeit gibt es in der Schweiz eher zu wenig Platz in spezialisierten Rechenzentren, wie sie etwa von IBM, Colt, Interxion, Green, Equinix und anderen betrieben werden. Denn der Aus- oder Neubau von Gebäuden, die sich für hochsichere Rechenzentren eignen, ist teuer. Gleichzeitig überlegen sich immer mehr Firmen, ihre Rechenzentren physisch auszulagern und so Eigenkapital freizumachen.
Die Folge dieses Platzmangels ist ein hektisches Wettrennen unter den Anbietern von RZ-Infrastrukturen (Gebäude, Stromversorgung, Kühlung, Sicherheit). Anfang Mai kündigte Green den Bau eines 100-Millionen-RZs im aargauischen Lupfig an. Kurz zuvor erfuhren wir von Plänen des deutschen Highend-Anbieters e-shelter, in Rümlang einen Neubau mit sogar über 10'000 Quadratmetern RZ-Fläche zu errichten.
Nun geht auch Equinix (ehemals IXEurope) an den Start. Die US-Firma hat unlängst einen Kaufrechtsvertrag mit der Besitzerfirma des Gebäudes der Blumenbörse in Oberengstringen unterschrieben. In dem Gebäude, das heute eine totale Fläche von 18'000 Quadratmetern aufweist, kann man etwa 10'000 Quadratmeter Rechenzentrums-Fläche ausbauen. Kostenpunkt im Schlussausbau: 100 Millionen Franken! Wie Equinix-Schweiz-Chef Frits van der Graaf zu inside-it.ch sagt, sei die Finanzierung gesichert. Equinix hat erst vorgestern eine Wandelanleihe von 325 Millionen Dollar platziert. Zudem brauche er für den ersten Ausbauschritt "nur" etwa 20 Millionen Franken und werde versuchen, auch in der Schweiz Geld aufzutreiben.
Der Standort Oberengstringen sei ideal, so van der Graaf. So unterstützen die politischen Behörden die Pläne von Equinix, da ein Rechenzentrum wenig Emissionen verursacht. Zudem führten viele Glasfaserleitungen an Oberengstringen vorbei und das Elektrizitätswerk Zürich könne mit relativ wenig Aufwand eine zusätzliche Hochspannungsleitung zum geplanten RZ ziehen. Der Holländer, der den Schweizer Telekommunikationsmarkt hervorragend kennt, hofft den ersten Teil des RZs bereits bis Mitte 2010 in Betrieb nehmen zu können. Sein wichtigstes Verkaufsargument ist die weltweite Präsenz von Equinix und die lange Präsenz in der Schweiz.
Wir sind gespannt, welcher der Anbieter es schafft, als erster mit voll ausgebauter Rechenzentrumsfläche auf den Markt zu kommen. Denn "Time to market" und die Qualität des Ausbaus dürften heute entscheidend sein.
Im letzten Punkt dürfte e-shelter Vorteile haben. Denn die deutsch-luxemburgische Firma plant einen speziell auf Rechenzentren ausgerichteten Hightech-Neubau. Dies bietet viele Vorteile in Bezug auf Stromversorgung, Kühlung und Sicherheit, wie wir uns diese Woche bei einem Besuch im gigantischen RZ der Firma in Frankfurt selbst überzeugen konnten. (Christoph Hugenschmidt)

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