Schweizerische Export­risiko­versicherung stoppt 9-Millionen-Projekt

3. Dezember 2021 um 14:21
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Der Verwaltungsrat der Schweizerischen Export­versicherung (SERV) hat entschieden, das laufende IT-Erneuerungs­projekt mit dem Anbieter Tinubu nicht weiterzuverfolgen. Es geht um viel Geld.

Das IT-System der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (SERV) zur Abwicklung des Versicherungsgeschäftes erreicht demnächst das Ende seiner Lebensdauer. Für dessen Ablösung hatte sich die öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes knapp 9 Millionen Franken budgetiert und im Jahr 2019 einen freihändigen Auftrag an den französischen Anbieter Tinubu Square vergeben.

2 Millionen Franken müssen abgeschrieben werden

Wie die SERV in einer Mitteilung schreibt, kam sie zum Schluss, dass die gewählte Lösung als Software as a Service nicht mehr zur eigenen strategischen Ausrichtung passe. Deshalb hat der Verwaltungsrat entschieden, das Projekt zu stoppen. Auf Nachfrage von inside-it.ch schreibt die Kommunikationsverantwortliche Bettina Scheidegger, dass es zu einem Abschreiber von 2 Millionen Franken komme.
"Die SERV kann für die Kosten aufkommen, ohne öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen." Die Eigenwirtschaftlichkeit sei in keinster Weise gefährdet, so Scheidegger. "Das Budget von umgerechnet knapp 9 Millionen Franken wurde nicht ausgeschöpft", ergänzt sie. Zum "jetzigen Zeitpunkt" wolle die SERV keine Schuldzuweisungen gegenüber Tinubu machen, so die Kommunikationsverantwortliche.
Im Verlauf des Einführungsprojekts habe sich gezeigt, dass die "individuellen Anforderungen in der Tinubu-Standardsoftware nicht befriedigend abgebildet werden können". Darüber hinaus übersteige die Komplexität des Geschäftsmodells als Exportrisikoversicherer die ursprünglichen Einschätzungen des Anbieters. Die SERV habe dies zum Anlass genommen, ihre IT-Strategie zu überprüfen und kam zum Schluss, "dass mit einer technischen Modernisierung der bestehenden Lösung besser auf die individuellen Anforderungen des Unternehmens und der Kunden reagiert werden kann".

"Es ging und geht nicht anders als On-Prem"

Dieser Entscheid erstaunt: Die Eidgenössische Finanzkontrolle kam noch im Frühling dieses Jahres zum Schluss, dass es empfehlenswert sei, "den bestehenden und vorgeschlagenen Standard von Tinubu so weit wie möglich zu verwenden und spezifische Entwicklungen auf das unbedingt Notwendige zu beschränken". Schon damals widersprachen die SERV-Verantwortlichen und fanden: "Es ging und geht nicht anders als On-Prem".
Das gab schon damals zu reden. Die SERV entschied laut EFK-Bericht, die Tinubu-Lösung müsse als On-Prem-Lösung in den eigenen Räumen laufen, statt als SaaS-Hosting bei AWS in Deutschland. Womit die Franzosen kein SaaS-Produkt mehr liefern sollten wie vereinbart.

Weder personelle Konsequenzen noch Schuldzuweisungen

Um das Projekt zu retten, übergab die SERV noch im April dieses Jahres das Projektmanagement an eine neue Projektleitung. Ausserdem wurden 10 temporäre Vollzeitstellen geschaffen und Reportingprozesse definiert, so die SERV in ihrer damaligen Stellungnahme gegenüber inside-it.ch. Damals ging die SERV noch von einem Go-Live-Termin Ende 2021 aus und das Management war zuversichtlich gewesen, dass der Termin auch haltbar sei.
Daraus wurde jetzt offensichtlich nichts.
Dennoch "ist durch die technische Modernisierung der bestehenden Lösung die Zukunft des heutigen Systems sichergestellt", schreibt Bettina Scheidegger. Für die Weiterführung des Projekts werde die SERV die Vorgaben des öffentlichen Beschaffungsrechts anwenden.
Ob der kritische Bericht der EFK mit dem Projektabbruch zu tun hat, wollte Bettina Scheidegger nicht kommentieren. "Der SERV-Verwaltungsrat hat entschieden", schreibt sie nur. Überdies wolle die SERV auch intern keine Schuldzuweisungen machen. "Der Projektabbruch hat keine personellen Konsequenzen", versichert Scheidegger.

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