Seco vergibt Millionenauftrag ohne Ausschreibung

20. August 2013, 12:30
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Trotz Kritik hat das Seco einen 22 Millionen schweren Software-Auftrag an CSC Schweiz vergeben.

Trotz Kritik hat das Seco einen 22 Millionen schweren Software-Auftrag an CSC Schweiz vergeben.
Gestern hat das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) eine freihändige Vergabe publiziert. Der Zuschlag selbst erfolgte bereits am 7. August. Unüblicherweise hat das Seco dazu gestern eine Medienmitteilung verfasst, in der es heisst, man habe die freihändige Vergabe der Migration sowie der Wartung des Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen (Asal) in der Höhe von 22 Millionen Franken (exkl. MWST) publiziert. Die Vergabe beinhalte die Migration sowie die Wartung und Weiterentwicklung aller bisherigen Anwendungen bis zur erfolgreichen Migration.
Asal läuft seit 20 Jahren und wurde vom US-amerikanischen Softwarehersteller CSC entwickelt. Das Seco möchte nun die Software von CSC in eine "moderne und wartungsfreundliche Softwareentwicklungsumgebung" migrieren lassen, um danach die Weiterentwicklung und Wartung in einem offenen WTO-Verfahren auszuschreiben. In der Vergabe ist von einer etappierten Migration (1:1) der heutigen Asal-Softwareentwicklungsumgebung von CA2E auf Java inklusive Sicherstellung des laufenden Betriebs unter Beibehaltung der Datenbank und des Datenmodells die Rede.
Kritik
Aufträge ab 230'000 Franken werden normalerweise nicht freihändig vergeben. Doch das Seco beruft sich auf den Artikel 13 in der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen, wonach es diverse Voraussetzungen für eine Vergabe ohne Ausschreibung gibt. Das Seco stellt sich auf den Standpunkt, dass CSC das System am besten kenne und deshalb am besten für eine Migration auf Java geeignet sei.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle hatte bereits vor einiger Zeit die Absicht des Seco kritisiert, den Auftrag freihändig zu vergeben. In der Softwarebranche sorgt die Vergabe ebenfalls für Kopfschütteln. Experten bezweifeln, dass nur CSC in der Lage sei, die Migration zu schaffen.
Hinzu kommt, dass bei CSC dem Vernehmen nach mindesten zwei Personen, die jahrelang für Asal gearbeitet haben, mittlerweile gegangen sind. Allerdings wird auch berichtet, dass das verloren gegangene Know-how bei CSC ersetzbar sei. (Maurizio Minetti)

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