Sicherheitslücken in Moskaus Blockchain-E-Voting

21. August 2019 um 11:34
  • e-government
  • e-voting
  • blockchain
  • ethereum
  • security
image

Ein französischer Sicherheitsexperte hat eine kritische Schwachstelle im Blockchain-basierten Wahlsystem gefunden, das russische Behörden bei den kommenden Wahlen für das Moskauer Stadtparlament nutzen wollen.

Ein französischer Sicherheitsexperte hat eine kritische Schwachstelle im Blockchain-basierten Wahlsystem gefunden, das russische Behörden bei den kommenden Wahlen für das Moskauer Stadtparlament nutzen wollen.
Gemäss der russischen Nachrichtenagentur 'Tass' sollen bei den Wahlen zur Moskauer Duma am 8. September 2019 in drei Wahlbezirken Tests durchgeführt werden, bei denen Bürger via Internet mit ihren Smartphones oder PCs abstimmen können. Das dabei verwendete E-Voting-System ist ein Novum seiner Art: Es wurde vom Moskauer IT-Departement selbst entwickelt und arbeitet als "Smart Contract" auf der Blockchain-Plattform Ethereum.
Im Juli veröffentlichte das Moskauer IT-Departement den Quellcode auf GitHub und schrieb einen Preis von 30'000 Dollar für einen erfolgreichen Hack aus. Pierrick Gaudry, Wissenschaftler an der Universität Lothringen und Forscher beim CNRS, dem Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung, gelang es nun, die privaten Schlüssel des Wahlsystems auf der Grundlage seiner öffentlichen Schlüssel zu berechnen, wie 'ZDnet' berichtet.
Gaudry publizierte seine Erkenntnisse online und beschreibt das System als "komplett unsicher": "Mit einem Standard-PC und nur mit öffentlich verfügbarer kostenloser Software kann das System in etwa 20 Minuten geknackt werden. Genauer gesagt ist es möglich, die privaten Schlüssel aus den öffentlichen Schlüsseln zu berechnen. Sobald diese bekannt sind, können alle verschlüsselten Daten so schnell entschlüsselt werden, wie sie erstellt wurden."
Laut Gaudry liegt das Problem nicht am Ethereum-Code, auf dem das System basiert. Die im Moskauer Framework verwendete Verschlüsselung sei eine Variante des Elgamal-Verfahrens und verwende Schlüssel, "die weniger als 256 Bits lang sind. Dies ist viel zu kurz, um Sicherheit zu gewährleisten." Im schlimmsten Fall würden die Stimmen aller Wähler, die dieses System nutzen, jedem offengelegt, sobald sie ihre Stimme abgeben.
In einer Online-Antwort schreibt das Moskauer IT-Departement: "Wir sind uns absolut einig, dass die private Schlüssellänge von 256 x 3 nicht sicher genug ist. Diese Implementierung wurde nur in einem Testzeitraum verwendet. In wenigen Tagen wird die Schlüssellänge auf 1024 geändert." Für Gaudry könnte aber auch eine 1024-Bits-Verschlüsselung nicht genügen, besser wären mindestens 2048 Bits.
Die Moskauer IT-Behörden bedankten sich laut 'Tass' bei Gaudry: "Er war eine grosse Hilfe und wies auf ein schwaches Glied in der Länge des Schlüssels hin." Sie betonten aber, dem französischen Forscher sei es nicht gelungen, ihr E-Voting-System komplett zu hacken. Trotzdem soll Gaudry nun einen Teil des Preisgelds in der Höhe von 15'000 Dollar erhalten. (paz)

Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

Bund benötigt mehr Unterstützung für Public Cloud

Dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation fehlen offenbar Ressourcen für das Management der Cloud-Infrastrukturen. Innovation Process Technology soll einspringen.

publiziert am 23.10.2026
image

Gitlab patcht hochgefährliche Sicherheitslücke

Releases aus den letzten 12 Jahren sind betroffen und sollten dringend gepatcht werden.

publiziert am 23.10.2026
image

Schaffhausen verschärft Vorgaben für Rechenzentren

Die hohe Energieeffizienz war bis anhin die einzige Vorgabe beim Bau neuer Rechenzentren. Zukünftig werden auch Treibhausgas- und Wassereffizienz gefordert.

publiziert am 23.10.2026
image

Thurgauer Medienwerkstatt meldet Cybervorfall

Cyberkriminelle haben sich Zugang in die IT-Systeme des Mediendienstleisters verschafft und dabei Kontaktdaten sowie Produktions- und Auftragsdaten erbeutet.

publiziert am 23.10.2026