Software-Ausfall der Zollverwaltung plagt Spediteure

1. Juni 2018, 14:02
  • e-government
  • software
  • dazit
image

"Lastwagen stauten sich bis auf die Strasse"

"Lastwagen stauten sich bis auf die Strasse"
Eine andauernde Software-Panne bei der eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) hat Spediteure in der Schweiz verärgert, Lieferungen verzögert und Kosten verursacht. Die Story wurde heute von 'SRF' aufgedeckt, inside-it.ch hat Details (und das Bild).
Wie EZV-Sprecher David Marquis auf Anfrage in einer Mail an inside-it.ch schreibt, machte die Lösung NCTS am Montag, Dienstag und Mittwoch Probleme. NCTS steht für "Neues Computerisiertes Transitsystem". Es ist überhaupt nicht neu, sondern 18 (!) Jahre alt. NCTS dient zur Übertragung von eingescannten Dokumenten für die Zollverwaltung. Wenn die Daten korrekt übertragen sind, meldet die Zollverwaltung, ob sie eine Ladungskontrolle eines Lastwagens machen will oder nicht. Erst danach kann ein Lastwagen entladen werden, erläuterte Stefan Höcketstaller vom Verzollungsspezialisten Team Transport, der zur Planzer-Gruppe gehört.
Das System ist nicht ausgefallen, hat aber "gestottert". "Die Problematik lag bei der Durchlaufzeit der zu verarbeitenden Meldungen in der Anwendung NCTS," schreibt Marquis. NCTS wird vom Bundesamt für Informatik (BIT) für die Zollverwaltung betrieben.
Spediteure, die Waren aus der Schweiz exportieren wollten, mussten auf ein Notfallverfahren zur Übermittlung von Verzollungsdaten zurückgreifen. Das hat zusätzlichen Aufwand verursacht. Tom Odermatt vom Verband Spedlogswiss sagte gegenüber 'SRF', grosse Spediteure hätten mit Zusatzkosten von vielleicht 10'000 Franken pro Stunde im Notfallverfahren rechnen müssen.
Schlimmer war aber, dass sich die Abwicklung der Lastwagen verzögert hat. Diesen Dienstag wurden die Daten zwar übermittelt, es kamen aber keine Rückmeldungen, so Höcketstaller. "Es herrschte ein Chaos. Unser Hof war voll und die Lastwagen stauten sich bis auf die Strasse." Ausserdem kam es zu verzögerten Lieferungen der Waren.
Gemäss EZV läuft NCTS seit Mittwoch Mittag wieder normal. Die Ampel steht auf der Status-Seite der EZV auf grün.
Bund will Zollverfahren für 400 Millionen Franken digitalisieren
Wie kompliziert die Verfahren bei einem Ausfall von NCTS werden können, zeigt ein Blick in die 27-seitige Dokumention "Vorgehen bei Pannen: Anwendung und Notverfahren", das die Zollverwaltung zur Verfügung stellt. (PDF).
Der Bund plant, alle Zollprozesse zu digitalisieren. Vor einem Jahr hat der Nationalrat einen Gesamtkredit von knapp 400 Millionen Franken für das Grossprojekt bewilligt. Es soll bis 2026 dauern und der Wirtschaft helfen, bis zu 500 Millionen Franken einzusparen. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Bündner Regierung schickt E-Gov-Gesetz in die Vernehmlassung

Der Kanton will im Rahmen seiner E‑Government‑Strategie die rechtlichen Grundlagen für die Digitalisierung der Verwaltung und den elektronischen Rechtsverkehr schaffen.

publiziert am 11.8.2022
image

Bundesrecht nun auch im XML-Format

Die Bundeskanzlei veröffentlicht das Bundesrecht ab sofort auch als maschinenlesbare XML-Daten. Damit können Inhalte in eigene Anwendungen übernommen werden.

publiziert am 11.8.2022
image

BBL legt sich Dienstleister-Pool mit Beschaffungs-Know-how zu

Das Bundesamt für Bauten und Logistik holt für sich selbst und andere Ämter externe Dienstleister an Bord, die bei der Beschaffung von IT und Büroausrüstung helfen sollen.

publiziert am 11.8.2022
image

Parldigi direkt: E-ID – beim dritten Anlauf klappt’s!

Grünen-Nationalrat Gerhard Andrey war bei den Diskussionen um die E-ID an vorderster Front involviert. In unserer Kolumne schreibt er über die Chancen des neuen Projekts.

publiziert am 10.8.2022