Startup-Finanzierung in der Schweiz trotzt der Krise

14. Juli 2020, 12:35
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Entgegen dem europäischen Trend bleiben die Investitionen in Startups hierzulande hoch. Am meisten Geld sammelte im ersten Halbjahr 2020 eine IT-Firma.

Die Finanzierungen von Schweizer Startups sind trotz der Coronakrise auf hohem Niveau geblieben. Zwar nahmen die Engagements von ausländischen Investoren ab, allerdings sprangen Schweizer Kapitalgeber in die Bresche.
In den ersten sechs Monaten 2020 wurden insgesamt gut 760 Millionen Franken in Schweizer Startups investiert, wie dem "Swiss Venture Capital Report" der Investorenvereinigung Seca und des Newsportals 'startupticker.ch' zu entnehmen ist. Das war mehr als in den Vergleichszeiträumen der Jahre 2016 bis 2018, lag aber rund 36 Prozent unter dem Wert des starken Jahres 2019.

Mehr Finanzierungsrunden entgegen dem Trend

Zudem nahm die Anzahl der Finanzierungsrunden im erstem Semester 2020 ungeachtet der Coronavirus-Pandemie klar zu: Insgesamt gab es von Januar bis Juni 105 solcher Runden und damit 20 mehr als noch im gleichen Vorjahreszeitraum. Der mittlere Wert (Median) der Investments lag bei 3,9 Millionen Franken und lag damit gut 20% über dem Vorjahr.
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Investment-Volumen und Finanzierungsrunden. Grafik: Swiss Venture Capital Report
Die Schweiz habe sich damit gegen den internationalen Trend mit abnehmenden Summen und weniger Finanzierungsrunden gestemmt, erklärte Stefan Kyora von 'startupticker.ch' an einer Medienpräsentation. Laut internationalen Erhebungen hat die Zahl der Investments in Nord- und Westeuropa im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40% abgenommen, die Gesamtsumme des investierten Kapitals ging um etwa 18% zurück.

US-Investoren zeigen sich zurückhaltend

Deutlich rückläufig war bei den Schweizer Finanzierungen insbesondere der Anteil der US-Gelder, wie Co-Autor Thomas Heimann von der Seca erklärte: Die USA waren in den vergangenen zehn Jahren mit über einem Drittel der Gesamtsumme bedeutendster Investor gewesen, im ersten Halbjahr 2020 lag der Anteil der US-Investoren nur noch bei 25%.
Derweil entwickelten sich die Schweizer Kapitalgeber im ersten Halbjahr 2020 zur bedeutendsten Investorengruppe mit fast der Hälfte der investierten Gelder, nachdem dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt nur bei knapp einem Viertel gelegen hatte. Die zunehmende Bedeutung der Schweiz sei wohl mit den in den letzten Jahren entstandenen neuen Risikokapital-Fonds zu erklären, sagte Heimann.

ICT-Bereich büsst an Gewicht ein

Die Zurückhaltung der internationalen Investoren dürfte auch mit dem Ausbleiben der "Megafinanzierungsrunden" zusammenhängen, bei denen gerade die US-Investoren in der Vergangenheit sehr bedeutend waren. Im ersten Semester 2019 hatte es noch drei Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich gegeben.
Im ersten Halbjahr 2020 kam die schweizweit grösste Finanzierungsrunde dagegen noch auf 77 Millionen: Es handelte sich um das Zürcher IT-Unternehmen Scandit. Insgesamt wurden die ICT-Startups aber weniger stark berücksichtigt. Hatten diese inklusive der Fintechs 2019 noch über die Hälfte der Investitionssumme auf sich vereinigt, waren es im ersten Halbjahr 2020 weniger als ein Drittel. An Gewicht gewann vor allem der Medtech-Bereich.
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Verteilung der Investments nach Sektoren. Grafik: Swiss Venture Capital Report
Spürbar waren die Auswirkungen von Lockdown und Reisebeschränkungen bei den "Exits" – Firmenverkäufe oder Börsengänge seien in den Monaten April und Mai wegen des Lockdowns und der Reisebeschränkungen fast zum Erliegen gekommen, so Heimann. Dank eines guten Starts ins Berichtsjahr gab es aber immer noch 21 "Exits" – 20 Verkäufe und ein IPO – und damit so viele wie im Schnitt der Vorjahre.

Investoren zeigen sich optimistisch

In einer Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern gaben die Schweizer Investoren ebenfalls an, ihre Investmenttätigkeit trotz Corona-Krise fast ungebremst aufrechterhalten zu haben. Gleichzeitig erklärten drei Viertel der Investoren aber auch, dass die Bewertungen der Startups im Vergleich mit den "Vor-Pandemie"-Niveaus gefallen seien.
Insgesamt rechnen die befragten Schweizer Investoren damit, im laufenden Jahr keine Abstriche bei ihrer geplanten Investitionstätigkeit zu machen. Zudem war die klare Mehrheit der Befragten der Auffassung, dass die Startup-Finanzierung in der Schweiz schon 2021 auf das Rekordniveau von 2019 zurückkehren werde.

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