Der im Juli dieses Jahres bekanntgewordene Stuxnet-Wurm war offenbar erfolgreicher, als bisher angenommen. Gemäss einem Forschungsbericht des renommierten Institute for Science and International Security (ISIS) soll Stuxnet in der iranischen Anreicherungsanlage Natans bis zu eintausend der insgesamt 10'000 Uran-Zentrifugen beschädigt haben.
Im Bericht stützen sich die Forscher auf einen Zwischenfall im zweiten Halbjahr 2010, als rund 10 Prozent der in Natans installierten Zentrifugen abgeschaltet werden mussten. Der Ausfall könne zwar auch auf einen fehlerhaften Zusammenbau der Anlagen zurückzuführen sein, dies sei allerdings unwahrscheinlich. Auf Stuxnet deute auch die diskrete Vorgehensweise hin. Der Schädling habe etwa die Laufgeschwindigkeit der Zentrifugen, die mit einer Umdrehungszahl von 1064 Hertz laufen sollten, manipuliert. Stuxnet habe die Umdrehungen erst auf bis zu 1410 Hertz erhöht und später wieder um 2 Hertz verringert - jeweils im Abstand von rund vier Wochen. Die höchsten Frequenzen hätten dabei sehr nahe an der absoluten Belastungsgrenze der Zentrifugen gelegen. Stuxnet habe seinen Manipulationen zudem verschleiert. "Jede Angriffssequenz sendet auch Kommandos aus, um die Warn- und Sicherheitskontrollen der Frequenzumrichter abzuschalten, die das Bedienpersonal bei Steigerung oder Reduktion der Geschwindigkeit warnen sollen", heisst es im Bericht.
Dass Stuxnet gezielt gegen die iranische Atomproduktion gerichtet ist, ist auch für die ISIS-Forscher ziemlich klar. Dass der Wurm überhaupt auf die Eigenheiten der iranischen Produktionsstätten eingehen konnte, bedinge detailliertes Vorwissen der Programmierer. Sogar bei der IAEA wisse man nicht, welche Frequenzumrichter im iranischen Werk eingesetzt würden. " Wenn Stuxnet auf die Anreicherungsanlage zielte, haben seine Autoren Informationen benutzt, die der IAEA nicht vorlagen", so der Bericht. (bt)