Der Armeechef Thomas Süssli hat Fehler bei der Erstellung des Budgets für 2021 eingeräumt. In der Sendung "Samstagsrundschau" von 'Radio SRF' trat er aber Vorwürfen entgegen, er habe zu spät über Kostenüberschreitungen bei IT-Projekten informiert.
Man sei mit den Kostenschätzungen zu IT-Projekten "zu spät dran gewesen", sagte Süssli. Als der interne Aufwand für die Integration neuer Informatiksysteme klar geworden sei, habe man das Budget schon eingegeben.
Zugleich hatte Armeesprecher Stefan Hofer bestätigt, dass der Armeechef die Mehrkosten mit Umschichtungen im Budget auffangen wolle. Demnach spart die Armee bei der Beschaffung von Munition und anderem Ersatzmaterial 60 Millionen Franken ein, durch die Verschiebung oder den Stopp bestimmter IT-Projekte weitere 40 Millionen Franken.
"Wir informieren regelmässig"Die Medienberichte über die Mehrkosten im IT-Bereich hatten bei Sicherheitspolitikerinnen und -politikern im Bundesparlament Irritation ausgelöst. Es sei nicht akzeptabel, dass "man uns nicht sagt, wenn sich Engpässe abzeichnen", kritisierte Anfang Woche etwa der Berner Ständerat Werner Salzmann (SVP). Die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf sagte, ihrer Ansicht nach sei eine Untersuchung durch die Finanzdelegation von National- und Ständerat notwendig.
Man informiere die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger regelmässig über grosse Projekte, wehrte sich Süssli in der "Samstagsrundschau". Und man habe frühzeitig klargemacht, dass es Verzögerungen gebe, weil die Armee schlicht nicht genügend Personal im Informatikbereich habe.
"Nichts zu verstecken"
"Vielleicht ist es uns nicht gelungen, genau zu sagen, wo das Problem liegt", räumte der Armeechef allerdings ein. Die Forderung, mit der Finanzdelegation die Aufsicht einzuschalten, mache ihn "nicht nervös", so Süssli. Man stehe zu den geschehenen Fehlern, zu verstecken habe man jedoch nichts.
Drei Herausforderungen
Von Bundesrätin Viola Amherd hat Süssli den Auftrag, die Armee bis 2030 voll zu digitalisieren.
Dabei, so Süssli gebe es 3 grosse Herausforderungen: die Digitalisierung der Milizarmee, die Digitalisierung der eigentlichen Armee, also der Streitkräfte, sowie die Digitalisierung der Verwaltung.
Bei der Digitalisierung der Milizarmee gehe es darum, das Potenzial der jungen "Digital Natives", die mit ihren eigenen Smartphones und anderen Geräten einrücken, für die Armee zu nutzen. Das geschehe bisher noch viel zu wenig. Das Ziel sei es, alle Interaktionen mit diesen neuen Armeeangehörigen digital zu machen und auch inhaltlich neu zu gestalten. Dafür soll eine übergreifende digitale Plattform geschaffen werden.
Das grosse Problem bei der Digitalisierung der Streitkräfte sei, dass "das noch niemand von uns je gemacht hat." Das Ziel sei es, die Informationen, die Sensoren überall sammeln, zu bündeln und so aufzubereiten, dass der Nachrichtendienst sie analysieren und die Armeeführung darauf basierende Entscheidungen treffen kann. Dies könne man nur durch Innovationen erreichen, man müsse sich "schrittweise an Lösungen herantasten", so der Armeechef.
In diesen Bereich fällt unter anderem das gigantische, vor mehreren Jahren gestartete
Projekt "Fitania".
Das dritte Problem, die Digitalisierung der Verwaltung, ähnele den Herausforderungen, mit denen sich auch grosse Unternehmen konfrontiert sehen. Es gehe um die Weiterentwicklung der ERP-Systeme.
Das teure Kernprojekt hierbei ist die Migration der SAP-Systeme der Armee auf S/4Hana,
genannt "Erpsysvar".