SuisseID und die "kritische Masse"

14. April 2010, 13:28
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SuisseID stösst kurz vor der Lancierung auf grosses Interesse seitens der IT-Branche.

SuisseID stösst kurz vor der Lancierung auf grosses Interesse seitens der IT-Branche
Der "elektronische Ausweis" SuisseID, der ab 3. Mai für die Öffentlichkeit verfügbar sein wird, stösst auf sehr grosses Interesse in der IT-Branche. Gut 160 Interessierte folgten einer Einladung des Branchenverbands Simsa und liessen sich von Christian Weber und Urs Bürge vom SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) über den Stand der Dinge in Sachen SuisseID informieren.
Die SuisseID wird es ab 3. Mai bei den vier gesetzlich anerkannten Anbietern von digitialen Zertifikaten (SwissSign/Post, Quo Vadis, Swisscom und BIT) geben. Mit dem vom SECO standardisierten Produkt wird man sich elektronisch ausweisen, Dokumente und E-Mails rechtsgültig unterschreiben und Funktionen innerhalb einer Organisation nachweisen können. Wie Projektleiter Weber gestern festhielt, haben sich die vier Anbieter der SuisseID verpflichtet, die digitalen Zertifikate untereinander anzuerkennen.
Ziel: 300'000 SuisseIDs noch im laufenden Jahr
Die Entwicklung des "elektronischen Ausweises" (die SuisseID ist eigentlich mehr als das) war Teil des Konjunkturpakets 3, das der Bundesrat letzten Sommer lancierte. Man hofft, mit der massenhaften Verbreitung eines sicheren, digitalen Identitätsnachweises E-Government und die Verbreitung von rein elektronischen Geschäftsprozessen zu fördern und damit die Produktivität von Behörden und Wirtschaft zu stärken.
300'000 SuisseIDs will das SECO noch im laufenden Jahr unters (Geschäfts-)Volk bringen und damit die "kritische Masse" erreichen, die nötig sein wird, damit sie in möglichst viele Anwendungen integriert werden.
Um den "Huhn-Ei-Effekt" (niemand will die elektronischen IDs, weil es keine Anwendungen dafür gibt und man programmiert keine Anwendungen dafür, weil niemand die ID hat) zu überwinden, muss die SuisseID in möglichst vielen Anwendungen integriert werden. Die beiden SuisseID-Spezialisten vom SECO gaben gestern einen guten Überblick über bestehende Projekte zur Integration der SuisseID in Lösungen und Prozessen. So wird man die "digitale ID" für die Abwicklung der Mehrwertsteuer und der Lohnmeldungen benützen können, womit sie für einen beträchtlichen Teil der über 400'000 Unternehmen der Schweiz zum Thema wird. Man wird mit der SuisseID zudem elektronisch Strafregisterauszüge anfordern können und AHV-Ausgleichskassen und die SUVA werden sie für den Geschäftsverkehr mit Firmen einsetzen.
Interessant scheint uns die Diskussion, ob für das Subventions-Gesuchs-Portal ASA2011 und für das "Bauernregister" zwingend die SuisseID vorgeschrieben werden sollen. Sind die ungefähr 100'000 betroffenen Bauernbetriebe bereit, eine SuisseID, die einiges über 100 Franken kosten wird, zu kaufen? "Fast zu 100 Prozent sicher" ist gemäss Weber, dass die eidgenössische Steuerverwaltung für die Rückforderung der Mineralölsteuer und die Verwaltung der CO2-Abgabe zwingend die Benützung der SuisseID vorschreiben wird. Damit würden ausgerechnet als rückständig angesehene Branchen (Landwirtschaft, Steinmetze, Fischer, Fuhrhalter) zu den Pionieren bei der Nutzung von digitalen Identitäten zur rechtsgültigen Abwicklung von Prozessen.
Privatpersonen werden erst später aufspringen
Die wichtigste Anwendung, die man mit SuisseID sofort wird benützen können, wird aber das Cash-Back-Portal sein, mit dem Privatpersonen den vom Bund subventionierten Beitrag an den Kaufpreis von 65 Franken abholen können.
Trotzdem glaubt man im SECO nicht, dass die SuisseID bald massenhaft unter Privatpersonen verbreitet sein werde. Doch es wird Dienste geben, die auch für Private nützlich sein können. So wird man von einem "Identity Provider" (es werden die Ausgabestellen der SuisseID sein) selektiv Daten zur eigenen Person, zum Beispiel das Alter oder den Wohnort, abrufen und diese an einen Internet-Dienstleister weitergeben können. Wird also die Porno-Industrie (Altersnachweis) der SuisseID zum Durchbruch verhelfen?
Generelle Verbreitung in der Bevölkerung wird SuisseID wohl aber erst dann schaffen, wenn sehr grosse Player wie etwa Postfinance, die Kantonalbanken oder Krankenkassen sie als Sicherheitslösung für ihre Online-Dienste verwenden.
Noch noch wenige Tage: Anschubfinanzierung für ISVs
Software-Herstellern bietet das SECO "Anschubfinanzierung" in der Höhe von 10'000 Franken, wenn sie SuisseID in ihre Anwendung integrieren. Wer davon profitieren will, muss sich allerdings beeilen. Stichdatum für die Beantragung der Anschubfinanzierung ist der 30. April. Das entsprechende (Papier-)Formular. (Christoph Hugenschmidt)

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