Swisscom Schweiz schluckt Axept

20. Dezember 2010, 10:48
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Konkurrenz zwischen Swisscom Schweiz und SITS verschärft sich: Swisscom übernimmt den High-End-VAR Axept. Der Abacus-Reseller Axept Business Software bleibt unabhängig.

Konkurrenz zwischen Swisscom Schweiz und SITS verschärft sich: Swisscom übernimmt den High-End-VAR Axept. Der Abacus-Reseller Axept Business Software bleibt unabhängig.
Swisscom AG - nicht etwa Swisscom IT Services (SITS) - übernimmt für einen nicht genannten Betrag den Outsourcer und Systemintegrator Axept. Alle rund 90 Mitarbeitenden des VARs sollen übernommen werden und Axept soll als eigenständige Firma und Tochter der Swisscom AG bestehen bleiben. "Name, Marktauftritt, die Organisation und die Geschäftsleitung bleiben unverändert," heisst es (wie so oft in solchen Fällen) in einer Pressemitteilung von Swisscom von heute.
Axept gehörte bisher der Mosaic Holding, die sich im Besitz von Daniel Staehelin, Gerhard Kober, Marcel Meier, Nunzio Pantô und Jürg Schwarzenbach befindet. Schwarzenbach, kennt man in der Branche als ehemaligen Besitzer der Delec-Gruppe, die 2005 für sehr viel Geld an den Bechtle-Konzern verkauft wurde. Während Schwarzenbach zu inside-channels.ch sagte, er werde im Verwaltungsrat von Axept bleiben, wollte sich Swisscom-Sprecher Olaf Schulze zur künftigen Zusammensetzung des Axept-VRs noch nicht äussern.
Nicht an Swisscom verkauft wird die ungefähr 45-köpfige Schwesterfirma Axept Business Software, die vor allem als Berater und Abacus-Reseller auftritt.
Keine Konkurrenz zu SITS?
Swisscom will mit dem Kauf von Axept vor allem die Kompetenz für den Bau von Unified-Communications-Lösungen für Grossfirmen verstärken, wie Schulze betont. Doch auch die anderen Geschäftsbereiche von Axept (Bau und Betrieb von Server- und anderen IT-Infrastrukturen) sollen erhalten bleiben. Schulze: "Axept wird wie bisher im Markt auftreten". Damit begibt sich Swisscom klar in Konkurrenz zur Schwesterfirma Swisscom IT Services (SITS). Bei Swisscom will man davon aber nichts wissen. Schulze: "Der Abstimmungsbedarf zwischen SITS und dem Swisscom-Grosskundengeschäft wird durch die Übernahme von Axept weder grösser noch komplizierter. Beide Bereiche arbeiten bereits heute sehr eng miteinander," betont der Swisscom-Sprecher.
Ins gleiche Horn stösst Axept-Chef Daniel Staehelin: "SITS ist eher auf grosse Outsourcing-Projekte spezialisiert, während wir kleine, schnelle, äusserst innovative Projekte umsetzen. Man wird sich bei gemeinsamen Kunden absprechen müssen."
Hintergrund Cloud-Computing
Sowohl Schwarzenbach wie Staehelin betonen gegenüber inside-channels.ch, dass es Axept im laufenden Jahr sehr gut gehe und es keinerlei finanziellen Zwang zum Verkauf gegeben habe. Viel mehr wird die radikale Veränderung der Art und Weise wie ICT-Infrastrukturen in Zukunft gekauft, implementiert und betrieben werden, eine Rolle im Verkauf von Axept gespielt haben. Staehelin: "Aktuell geht es uns sehr gut und dies wird auch sicher morgen noch so sein. Doch als CEO muss ich mich auch fragen, was übermorgen sein wird. Unser Geschäft wird von den Lebenszyklen der Lösungen, etwa Microsoft Unified Communications getrieben. Und da wird es Veränderungen geben. So bauen wir für einen sehr grossen Kunden Cluster-Infrastrukturen für die Exchange-Umgebung. Eine andere Schweizer Grossfirma hat sich aber entschlossen, Exchange auf Office 365 in eine Private Cloud von Microsoft zu migrieren. Es ist offensichtlich, dass sich das Verhalten der Kunden - getrieben von der Consumer-IT-Welt - verändern wird."
Gelingt Swisscom die Integration von Axept?
Doch wird Axept tatsächlich innerhalb von Swisscom eine Zukunft haben, oder wird die Firma als Teil des Grosskonzerns Identität und Innovationskraft verlieren? Dies sei vor dem Entscheid tatsächlich eine wichtige Frage gewesen, so Staehelin. Doch das Beispiel des 2008 übernommenen UC-Spezialisten Webcall zeige, dass Swisscom durchaus fähig sei, eine Firma erfolgreich zu integrieren. Man habe sich diesen Fall gut angeschaut, betont Staehlin. Er selbst habe mit 45 Jahren Lust darauf, als Chef einer Swisscom-Tochter zu arbeiten.
Pikant: Mit Claudio Cisullo als neuer Verwaltungsrat von Swisscom IT Services und Jürg Schwarzenbach als möglicher künftiger Verwaltungsrat der Swisscom-Tochter Axept finden sich zwei alte (erfolgreiche) Rivalen im Schweizer IT-Channel nun in neuen Rollen innerhalb des Ex-Monopolisten. (Christoph Hugenschmidt)

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