Unicible geht an IBM, BCV verbündet sich mit ZKB (Update)

20. April 2007, 13:07
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IBM übernimmt die Aktiven des Waadtländer Bankendienstleister Unicible. Die Waadtländer KB gibt das eigene System langfristig auf und wechselt auf die Plattform von ZKB. Gründung einer gemeinsamen Firma.

IBM übernimmt die Aktiven des Waadtländer Bankendienstleister Unicible. Die Waadtländer KB gibt das eigene System langfristig auf und wechselt auf die Plattform von ZKB. Gründung einer gemeinsamen Firma.
Die Waadtländer Kommunisten der Partei POP hatten nicht völlig unrecht, als sie im Wahlkampf warnten, der grosse IT-Dienstleister Unicible werde kurz nach den Wahlen verkauft. Heute, nur drei Wochen nach den Regierungsratswahlen, ist es so weit: IBM übernimmt die Aktiven von Unicible zu 100 Prozent von der bisherigen Eignerin, der Waadtländer Kantonalbank (BCV). IBM wird in Lausanne ab 1. Juni 2007 ein Bankendienstleistungszentrum betreiben.
Doch wie uns IBM-Sprecherin Susan Orozco eben korrigierte, handelt es sich nicht um den "Kauf" einer Firma, sondern eher um einen klassischen Outsourcing-Deal. IBM gewinnt den Auftrag der BCV für den Betrieb des Systems Osiris für fünf Jahre und erhält im Gegenzug Infrastruktur, 330 Mitarbeitende sowie die bestehenden Kundenbeziehungen von Unicible.
Anders als die POP aber behauptete, führt der Deal gemäss einer Mitteilung von Unicible von heute nicht zu Entlassungen. 330 Mitarbeitende werden zu IBM wechseln. Die restlichen Unicible-Leute (etwa 50) wechseln zur BCV. "Wir haben mit IBM hart verhandelt und uns Garantien bezüglich Arbeitsplätzen und Sozialleistungen ausbedungen," sagte Unicible-Sprecher Patrice Bourgoz gegenüber inside-it.ch
Das neue Outsourcing- und Entwicklungszentrum von IBM in Lausanne sitzt auf einem Auftragsvolumen im Wert von 550 Millionen Franken für 5 Jahre. Dazu gehört der vorläufige Betrieb der Plattform Osiris für die BCV, aber auch die Migration der Genfer KB, der Anker Bank und von Synchrony Asset Management auf Finnova und den anschliessenden Betrieb der Lösung. Die Genfer KB hat gemäss Bourgoz bestätigt, den Auftrag auch unter der Eignerschaft von IBM ausführen zu lassen. Weiter betreibt Unicible Finnova für die Neuenburger und Walliser KB.
BCV gründet Joint-Venture mit der ZKB. Migration auf ZKB-Plattform
Gleichzeitig mit der Auslagerung von Unicible an IBM haben die Zürcher Kantonalbank und BCV die angepeilte Gründung eines Joint-Ventures bekannt gegeben. Ab 2011 wollen die beiden ähnlich gelagerten Banken ein gemeinsames IT- und Backoffice-Zentrum mit 1300 Arbeitsplätzen (1050 in Zürich, 250 in Lausanne) und einem Umsatz von etwa 350 Millionen Franken betreiben. Die ZKB wird in dem Gemeinschaftsunternehmen eine Mehrheit von 65 Prozent halten, die BCV soll als Minderheitsaktionärin aber "Mitbestimmungsrechte in allen wichtigen Entscheidungen" haben.
Damit ist das Schicksal der BCV-eigenen Bankenplattform Osiris besiegelt: Die BCV wird auf die ZKB-Plattform migrieren. Diese besteht im Kern aus Avaloq (Wertschriften), SAP und Siebel. In der Zwischenzeit wird Osiris von der an IBM verkauften ehemalige BCV-Tochter Unicible betrieben und gepflegt.
Die Auslagerung von Backoffice und Informatik in ein Gemeinschaftsunternehmen soll gemäss Mitteilung nicht mit Stellenabbau verbunden sein. Trotzdem erhoffen sich die beiden KBs langfristige Kosteneinsparungen von 20 Prozent. Die Dienstleistungen des Joint-Ventures sollen künftig auch anderen Banken angeboten werden. Mit ein Gewinner des Deals ist Avaloq, der die BCV durch das Gemeinschaftsunternehmen als neuer Kunde in den Schoss fällt. (Christoph Hugenschmidt)
(Dieser Artikel wurde nachträglich geändert.)

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