Viele Schweizer Forscher kritisch gegenüber europäischem Corona-App-Projekt

20. April 2020 um 15:17
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Laut Medienberichten haben sich die ETH Zürich und andere Unis aus "PEPP-PT" zurückgezogen.

Am vergangenen Freitag, dem 17. April berichteten wir, dass sich der EPFL-Forscher Marcel Salathé, einer der Mitinitiatoren, aus dem paneuropäuschen Projekt PEPP-PT zurückgezogen hat. 
Laut einem Artikel des 'Spiegel' haben sich über das Wochenende nun auch die ETH Zürich, die belgische KU Leuven, das italienische Istituto per l'Interscambio Scientifico und das deutsche Helmholtz Center for Information Security (CISPA) vom Projekt distanziert.
Das Konsortium des Projekts PEPP-PT soll eine Software-Grundlage für Contact- oder Proximity-Tracing-Apps erarbeiten, die Europa bei der Bekämpfung der Corona-Epidemie helfen könnten. Gemäss 'Spiegel' steht ein Disput um die grundlegende Architektur hinter den internen Differenzen: Soll das System zentral oder dezentral sein? Ein System mit einem zentralen Server hätte ein viel grösseres Potential dafür, dass die zentral gelagerten Bewegungsdaten von Bürgern und Bürgerinnen deanonymisiert und missbraucht werden könnten. Entsprechend würde ein solches System sehr viel Vertrauen der Bürger voraussetzen, dass eben dies nicht geschieht.
In einem gemeinsamen Statement, das uns zugeschickt wurde, äussern viele Dutzend Akademiker und Akademikerinnen aus Europa, Australien und den USA Bedenken wegen den Datenschutz-Gefahren, welche eine Corona-Tracing-App mit sich bringen könnte. Das Dokument wurde auch von 17 Professoren und Wissenschaftlern der ETHZ, der EPFL, der ZHAW und der Uni Bern unterzeichnet.
Im Statement äussern sie sich lobend über Initiativen von Google und Apple, Systeme zu entwickeln, die keine zentralisierte Datenhaltung erfordern. Ausserdem, heisst in diesem Dokument, habe sich auch das europäische Parlament am 17. April für eine dezentralisierte Lösung ausgesprochen.

Google- und Apple-System möglicherweise nicht tauglich für ältere Handys

Derweil sagen nun allerdings einige Experten, dass das technische Konzept von Google und Apple für eine Corona-Warn-App für viele ältere Smartphone-Modelle nicht funktionieren würde. Der Grund sei, dass diese Systeme die Distanz der User zu anderen Usern via die "Bluetooth Low Energy"-Technologie registrieren. Diese werde von rund zwei Milliarden Geräten weltweit nicht unterstützt, sagte beispielsweise Neil Shah, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research, der 'Financial Times'. Auf jedem vierten Smartphone funktioniert demnach die moderne Bluetooth-Variante nicht. Hinzu kommt, dass viele Menschen nur ein einfaches Handy haben oder gar kein Smartphone.
"Die grundlegenden technologischen Einschränkungen liegen in der Tatsache begründet, dass immer noch etliche Telefone in Gebrauch sind, die nicht über die notwendige Bluetooth-Variante oder das neueste Betriebssystem verfügen", sagte auch Ben Wood, Analyst beim Marktforschungsunternehmen CCS Insight. Betroffen wären überdurchschnittlich viele ärmere und ältere Menschen, die kein aktuelles Smartphone haben – und die auch zu den am stärksten von Covid-19 bedrohten Bevölkerungsgruppen gehören.

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