Vorzeigeprojekt der SBB sang- und klanglos eingestellt

1. November 2021, 13:46
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Die im Sommer 2019 gemeinsam mit Axon Vibe initiierte Plattform sollte das "Amazon" der Mobilität werden.

Die SBB und Axon Vibe haben einvernehmlich beschlossen, die strategische Zusammenarbeit im ursprünglichen Sinn nicht weiterzuführen. Mit diesem Worten bestätigen die SBB Recherchen der 'SonntagsZeitung' (kostenpflichtig). Für das im August 2019 vollmundig als "Amazon" der Mobilität angekündigte Vorhaben "Smartway" war mit der Luzerner Firma Axon Vibe eine 5-jährige strategische Entwicklungszusammenarbeit vereinbart worden.
Wie viel das gestoppte Vorhaben gekostet hat, verraten die SBB laut dem Bericht nicht. Eine ungenannte, gut unterrichtete Quelle habe von einer Handvoll Leuten gesprochen, die seitens SBB am Projekt gearbeitet haben.
Der damalige Plan sah vor, auf einer neuen Plattform etwa Auto, Velo, Tram, Zug oder E-Trottinett nach den individualisierten Bedürfnissen der Reisenden kombinierbar zu machen. Noch im selben Jahr werde man mit rund 5000 Personen einen ersten Versuch mit verschiedenen Mobilitätsangeboten auf der sogenannten Smartway-App beginnen.
"Wir glauben, dass wir von der Schweiz aus sehr gute Startvoraussetzungen haben für ein globales System", so im Sommer 2019 der einstige SBB-Chef Andreas Meyer. Und bei den SBB fragte man ohne grosse Scheu danach, "wer wird das 'Amazon' der Mobilität"?
Geblieben ist von diesen Ansprüchen und Plänen nichts. Laut dem Bericht ist die Smartway-App schon Ende April 2021 stillschweigend abgeschaltet worden und werde laut SBB nicht mehr weiterentwickelt.
Beim zur Axon Gruppe von Stefan Muff und Uli Sigg gehörenden Unternehmen Axon Vibe, an dem sich die Bundesbahnen mit 5% beteiligt hatten, bedauert man laut 'SonntagsZeitung' das Ende des Projektes. So habe CEO Roman Oberli in einem Beitrag im aktuellen Luzerner Monatsmagazin '041' erklärt, dass das Ende von Smartway "natürlich weh" tue, zumal es sich in der Kooperation mit den SBB um ein Vorzeigeprojekt gehandelt habe. Zumindest habe aber die bisherige Arbeit einen Knowhow-Gewinn gebracht: "Das Gelernte können wir in anderen Märkten einsetzen. Aber es ist uns nicht gelungen, das zuerst mustergültig in der Schweiz umzusetzen", so Oberli.
Die SBB verweisen zum Projektende auf die veränderte Prioritätensetzung des neuen Bahn-Chefs Vincent Ducrot. Statt von künstlicher Intelligenz rede der lieber von Pünktlichkeit und Sicherheit, heisst es in dem Bericht. In Zukunft fokussiere man wieder auf das Kerngeschäft. Und weil Corona die SBB zu Sparmassnahmen zwinge, richte man seine Innovationsprojekte auf der ersten und letzten Meile neu aus.

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