Warum immer mehr SAP-Anwender auf Linux-Intel-Systeme migrieren

14. August 2009, 10:19
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Deutsche Studie postuliert Kostenvorteile beim Betrieb von SAP-Infrastrukturen auf Linux-Intel-Systemen und prophezeit einen verstärkten Trend weg von Unix.

Deutsche Studie postuliert Kostenvorteile beim Betrieb von SAP-Infrastrukturen auf Linux-Intel-Systemen und prophezeit einen verstärkten Trend weg von Unix.
Unix-Systeme mit RISC-CPUs gelten als stabiler, sicherer und performanter als die meistens günstigeren Server, die mit "normalen" x86-64-Bit-Prozessoren gebaut wurden und mit Windows oder Linux als Betriebssystem betrieben werden. Doch stimmt dieses Vorurteil noch?
Zumindest viele Betreiber von SAP-Systemen scheinen nicht mehr daran zu glauben. So untersuchte die grosse deutsche Beratungsfirma Realtech vor einem Jahr die Hardware-Migrationsprojekte seiner Kunden. Bei 68 Prozent der Migrationsprojekte, in denen neu Linux zum Zug kam, wechselten die Anwender von einem Unix-System. Auch IBMs OS/400 (13 Prozent) und Mainframe-Rechner (7 Prozent) wurden relativ oft durch günstige, standardisierte Linux-Systeme ersetzt. Ein wichtiger Grund für diesen Trend hin zu x86-Systemen liegt im Aufkommen von Mehrkern- und Multithreading-Prozessoren. Systeme mit zwei oder vier CPUs lassen heute weit grössere und teurere Systeme, die auch nur ein oder zwei Jahre alt sind, leistungsmässig hinter sich.
Nun hat Realtech nachgedoppelt und in einem Whitepaper Linux-und Unix-Systeme nach verschiedenen Kriterien verglichen. Für die Vergleiche wurden öffentlich zugängliche Leistungsdaten und Preislisten der Server verwendet. Das Bild, das Realtech in "The Trend from Unix to Linux in SAP Data Centers: Update und Discussion of Architectural Effects" zeichnet, ist eindeutig: Standard-x86-Systeme mit Intel Xeon- oder AMD Opteron CPUs haben im letzten Jahr leistungsmässig die meisten RISC-Systeme überholt. Unter den 20 performantesten Systemen, wenn es um die Abarbeitung von SAP-Befehlen (SAPS Benchmark) geht, finden sich nur noch vier RISC-Systeme (drei SPARC- und ein Power6-System). Alle anderen sind Intel- oder AMD-Server.
Noch krasser wird das Bild, wenn man den Preis der Server pro SAPS (SAP Application Performance Standard) ermittelt. Hier findet sich das erste RISC-System (Sun Enterprise T5440) auf Platz 9, das zweite auf Platz 16. Serversysteme mit x86 Prozessoren und Linux als Betriebssystem zeigten die schnellste Verbesserung im Preis-Leistungsverhältnis, so der eindeutige Schluss von Realtech.
Tiefere Kosten nicht der einzige Grund für Migration auf Linux-Standardserver
Die tieferen Kosten, die beim Betrieb von SAP auf Linux-Servern anfallen, sind aber nicht der einzige Grund für den Trend weg von Unix- und hin zu Linux-Rechnern. Wichtige Gründe sind auch die unterdessen sehr hohe Verfügbarkeit dieser Systeme, Performance-Verbesserungen nach der Migration und dass Linux-Know-how sehr verbreitet ist.
Zudem haben SAP-Anwender, so Realtech, lange gewartet, bis die Standarsysteme wichtige Features wie "Memory Mirroring", Fehlerkorrektur und "Hot Plug" (Auswechseln von Server-Komponenten im laufenden Betrieb) aufweisen konnten. Das gleiche gilt für Linux als Betriebssystem, das immer öfter Merkmale eines "Enterprise"-Betriebssystems aufweist. (Christoph Hugenschmidt)
Das 35-seitige Whitepaper "The Trend from Unix to Linux in SAP Data Centers: Update und Discussion of Architectural Effects" beleuchtet noch einige weitere Aspekte im Vergleich zwischen "Standard"-x86-Servern und Unix/RISC-Systemen, so etwa den Energieverbrauch der Systeme. Es wurde zusammen mit dem Linux-Distributor Novell veröffentlicht und gibt wohl eher den Standpunkt der Linux-Befürworter wieder. Das Papier kann kostenlos bestellt werden.

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