Warum Julius Bär die Temenos-Migration in der Schweiz absagt

6. Februar 2019 um 16:34
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COO Nic Dreckmann gab uns Auskunft.

Die Bank Julius Bär ging am 1. April in Asien mit dem neuen Kernbankensystem live. Nun hat die Bank aber mitgeteilt, dass man in der Schweiz auf die Migration verzichten und beim alten, mainframe-basierten Kernbankensystem mit dem schlichten Namen "Host" bleiben werde. In Zukunft sollen Transaktionen in drei Hubs verarbeitet werden: Mit T24 in Asien (Singapur und Hongkong) und in "Europe+" (Luxemburg, Monaco, Nassau). Der Dritte Hub für die Schweiz und Guernsey arbeitet weiterhin mit Host.
Die Entscheidung, in der Schweiz nicht zu migrieren, sei Anfang dieses Jahres nach einer dreimonatigen, intensiven Situationsanalyse gefällt worden, erklärte uns COO Nic Dreckmann in einem Gespräch. In diese Analyse seien natürlich auch die Erfahrungen, die man mit T24 in den anderen Hubs gemacht habe, eingeflossen. Probleme mit T24, so hielt er fest, seien aber keineswegs der Grund gewesen. Die Migration auf T24 habe vollumfänglich die Erwartungen bezüglich Skalierbarkeit und Stabilität erfüllt, die man damit verbunden habe. Auch mit dem Hersteller Temenos habe man keinerlei Probleme.
Nach der Analyse sei man aber zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen und Herausforderungen in den drei Hubs unterschiedlich seien.
Lieber "Digital Journey" unterstützen, als Verbuchungssystem ändern
In Asien, so Dreckmann, hatte und hat Julius Bär grosse Wachstumspläne. Das frühere System, Olympic von Eri Bancaire, sei aber an die Grenzen seiner Skalierbarkeit gestossen. Der Wechsel auf T24 sollte dieses Wachstum weiterhin ermöglichen.
In der Schweiz habe man dagegen mit Host keine Probleme bezüglich Skalierbarkeit, Verlässlichkeit oder Kosten. Es habe eine Verlässlichkeit von nahezu 100 Prozent und sei hochperformant. Die Kosten pro Transaktion seien zudem seit 2014 um 40 Prozent gesunken. Das Mainframe-basierte System habe zudem seine Skalierbarkeit in der Vergangenheit eindrücklich bewiesen. Die Mainframe-Lösung behindere Wachstum also nicht: "Sollten wir in Zukunft eine Bank und dadurch weitere Assets übernehmen, macht mir dies aus Sicht des Hosts kein Bauchweh."
In der Schweiz sehe man sich viel mehr vor der Herausforderung, die "digital journey" der Kunden zu unterstützen. Da spiele "das Verbuchungssystem hinten keine Rolle."
Dreckmann saloppes Fazit: "Mir brennt das Haus hinten nicht." Deshalb wolle man die limitierten Ressourcen in der Schweiz lieber strategisch anders investieren. Das grosse Ziel ist mehr Agilität. Technisch gesehen geht es zum Beispiel darum, einen Integration Layer mit flexiblen APIs und eine Service-basierte Architektur einzuführen. Ausserdem werde man für verbesserte Analytics-Möglichkeiten in eine verbesserte Datenplattform investieren, um die Kunden besser bedienen zu können. Und man werde durch eine Harmonisierung der Order Management Systeme die Komplexität und Redundanzen reduzieren. (Hans Jörg Maron)

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