Werden relationale Datenbanken überflüssig?

21. Mai 2010, 15:08
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SAP-Gründer Hasso Plattner findet, bald brauche es keine relationalen Datenbanken mehr.

SAP-Gründer Hasso Plattner propagiert die "risikofreie" Abschaffung von relationen Datenbanken.
Das Beste kam zum Schluss und ging deshalb in der Berichterstattung der (deutschsprachigen) Medien zur SAP-Kundenmesse Sapphire völlig unter: SAP-Mitgründer und -Verwaltungsrat
Hasso Plattner (Foto) skizzierte in einem Vortrag das Ende der ERP-Welt, wie wir sie kennen. Er propagierte nämlich nichts weniger als der Ersatz der heute gebräuchlichen relationalen Datenbanken (wie Oracle, SQL Server, MySQL, DB2) durch kolonnenorientierte Datenbanken, die zudem im Hauptspeicher abgelegt sind.
In-Memory-Datenbanken sitzen, wie des er Name sagt, im Hauptspeicher der Server. Für die Datensicherung sollen gemäss Plattner SSDs ("Harddisks" aus Flash-Memory-Bausteinen) verwendet werden. Lese- und Schreibzyklen sind in diesen Datenbanken wesentlich kürzer, sie sind mindestens um Faktor 10 schneller. Zudem können so genannte "kolonnenorientierte" Datenbanken um Faktor 10 bis 1000 komprimiert werden, so Plattner.
Bis heute hielt man solche In-Memory-Datenbanken vor allem für die Datenanalyse, bei der grosse Datenbestände sehr schnell abgesucht und neu zusammengestellt werden, für sinnvoll. Plattner sagte am Mittwoch Abend in seiner Keynote nun allerdings, kolonnenorientierte In-Memory-Datenbanken eigneten sich auch für transaktionale Daten, also beispielsweise für die Speicherung und Bearbeitung von Buchungssätzen, Produktdaten oder Bestellungen.
Sechs Schritte ins Datenparadies
Gemäss Plattner könnten SAP-Kunden ihre relationalen Datenbanken künftig völlig ohne Risiko in sechs Schritten ersetzen.
Zuerst solle man parallel zu den bestehenden Datawarehouses eine In-Memory-Datenbank installieren und mit den Daten füttern. Zweitens könne man dann die traditionelle Business-Intelligence-Lösung auf der In-Memory-Datenbank abbilden. Drittens wäre dann eine BI-Lösung der neuen Generation (Abfragen des aktuellen Datenbestandes mit offenen Fragen, Antworten innert Sekunden statt Tagen) zu installieren.
Wenn das funktioniert, könne man die traditionelle BI und das bisherige Datawarehouse eliminieren (Schritt 4) und darauf auch noch die bisherige Datenbanken auf den Harddisks rauswerfen (Schritt 5). Danach könnte man dann neue Software-Releases (welche ja immer auch Änderungen in der Datenbank mit sich bringen) unglaublich rasch und ohne Unterbruch installieren.
Glaubt SAP an Plattner?
Der charismatische deutsche Software-Pionier lehnte sich sehr weit aus dem Fenster: Er sagte, man könne existierende Business-Intelligence-Systeme, die auf Datawarehouses zugreifen, wie auch das mit ABAP programmierte ERP-System risikofrei auf die In-Memory-Datenbanken legen und erhalte dadurch sofort eine um den Faktor 10 bis 100 höhere Leistung. SQL-Abfragen (SQL: Standard Query Language - heute übliche Sprache für Datenbankabfragen.) würden halt "etwas komplizierter", das sei aber auch alles, so Plattner.
Man wurde allerdings den Eindruck nicht los, dass SAP selbst nicht so richtig an Plattners Vision einer Welt ohne relationale Datenbanken glaubt. Die Keynote, die Plattner in Orlando hielt, war ganz zum Schluss der europäischen Ausgabe des Kundenkongresses angesetzt, als sehr viele Teilnehmer schon gegangen waren und eine breite Diskussion des Gesagten nicht mehr möglich war. Und bei allen vorangegangen Präsentationen war zwar viel von In-Memory-Datenbanken die Rede, doch immer nur im Zusammenhang mit Datenanalyse.
Plattner selbst sprach davon, dass die Entwicklung der In-Memory-Technologie durch die Zusammenlegung von drei verschiedenen Datenbank-Teams von SAP möglich gemacht wurde. Zwei dieser Teams hätten andere Aufgaben übernehmen sollen, so Plattner. Hat er, der nicht mehr operativ bei SAP tätig ist, also direkt in die Software-Entwicklung bei SAP eingegriffen? (Christoph Hugenschmidt)

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