Die Entwicklergemeinschaft der Bürosoftware Euro-Office hat die erste stabile Version für alle Nutzerinnen und Nutzer zum Download bereitgestellt. Mit der Lösung wollen die Initianten rund um die IT-Dienstleister Ionos und Nextcloud eine europäische Alternative zu Google Docs und Microsoft Office schaffen, wie sie mitteilen.
Neben den beiden deutschen Informatikfirmen seien weitere europäische Organisationen und Unternehmen an der Entwicklung von
Euro-Office beteiligt: Abilian, Btactic, Eurostack, Office.eu, Openproject, Openxchange, Soverin und Xwiki. Sie würden unter anderem eigene Entwicklungsressourcen für die Software bereitstellen und noch ausbauen, wodurch Arbeitsplätze geschaffen werden. Ionos und Nextcloud haben nach eigenen Angaben mit der Einstellung eines dedizierten Entwicklungsteams für Euro-Office begonnen. Hier seien die ersten Stellen bereits besetzt worden.
Die Office-Suite werde in die Lösungen der beteiligten Unternehmen integriert, heisst es. Den Anfang machten Ionos Managed Nextcloud und Nextcloud Hub 26 Spring. Auch der niederländische Anbieter Office.eu wolle die Lösung einführen, das französische Unternehmen Xwiki rechne mit der Integration im vierten Quartal dieses Jahres.
Seit dem Start von Euro-Office habe der Fokus auf der Veröffentlichung einer sicheren und stabilen Lösung gelegen. "Unsere oberste Priorität war es, eine Version bereitzustellen, mit der die Nutzer tatsächlich arbeiten können. Zunächst mussten wir den Code bereinigen, einige Sicherheitsupdates implementieren und Euro-Office in bestehende Lösungen integrieren", sagt Nextcloud-CEO Frank Karlitschek. "Der nächste Schritt ist die Arbeit an den Desktop- und Mobil-Apps sowie den Integrationsfunktionen. Für eine wirklich souveräne Lösung ist es zudem wichtig, offene Standards wie ODF-Formate vollständig zu unterstützen. Dies wird bei der nächsten Version ganz oben auf der Agenda stehen."
Arbeit mit proprietärem Microsoft-Format
Die fehlende Unterstützung des Open Document Format (ODF) ist ein Kritikpunkt der Stiftung The Document Foundation an dem Euro-Office-Projekt. Aktuell komme für Office-Dokumente das proprietäre Office Open XML (OOXML) zum Einsatz, konstatiert die Stiftung. Dieses Format werde von Microsoft kontrolliert, was der Vorgabe einer digital souveränen Lösung entgegenstehe.
Die Entwickler von Euro-Office würden sich durch den OOXML-Support zu "Verbündeten" von Microsoft machen, doppelt die Stiftung nach. Sie stärkten mit dem Projekt die Strategie des US-Konzerns gegen die digitale Souveränität Europas und gegen die Freiheit der europäischen Nutzerinnen und Nutzer, ihre eigenen Inhalte zu kontrollieren und zu verwalten.