Wie geht es weiter mit LibreOffice?

24. Juni 2011, 13:37
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Google unterstützt LibreOffice, IBM hingegen setzt auf OpenOffice und kommerzielle Cloud-Angebote sind eine strategische Herausforderung fürs Office auf dem Desktop. Es tut sich was in der Open-Source-Szene.

Google unterstützt LibreOffice, IBM hingegen setzt auf OpenOffice und kommerzielle Cloud-Angebote sind eine strategische Herausforderung fürs Office auf dem Desktop. Es tut sich was in der Open-Source-Szene.
Kürzlich wurde bekannt, dass sich Google hinter LibreOffice gestellt.
Welche Rolle wird Google im Advisory Board übernehmen?
Italo Vignoli: Das Advisory Board klärt Fragen, in welche Richtung sich LibreOffice entwickeln soll. Wir wollen das Gremium möglichst breit abstützen. Dass Google im Board Einsitz nimmt, zeigt, dass Google uns nicht nur mit Worten unterstützen will.
Stellt denn Google keine Konkurrenz dar, schliesslich bietet der Suchmaschinenriese mit Google Documents ebenfalls eine Büro-Suite an?
Italo Vignoli: Wir sehen das nicht als Konkurrenz. Es ist ja nicht so, dass Google aktiv probiert, Leute vom Desktop weg und zu ihrem Service im Browser zu bringen. Darum gibt es keinen Grund, warum wir nicht kooperieren sollten. Natürlich gibt es überlappende Bereiche, aus der Sicht eines Unternehmens wäre Google vielleicht ein Konkurrent, aber wir sind ein Software-Projekt, das davon profitiert, wenn die Industrie uns unterstützt.
Google und die anderen Vertreter im Board sind Sponsoren, heisst das, dass sich Google den Platz - und Einfluss - gekauft hat?
Italo Vignoli: Man könnte schon sagen, dass Google seinen Sitz gekauft hat. Aber im Gegensatz zu anderen Advisory Boards kostet das bei uns nur einige Tausend Dollar.
Wohin geht denn die Entwicklung von LibreOffice?
Italo Vignoli: Seit den 1980er-Jahren hat sich die Funktionalität von Schreibprogrammen nicht wesentlich verändert: Wir tippen immer noch unsere Texte auf einer Tastatur und sitzen vor einem Bildschirm. Auf einem Tablet oder Smartphone Texte zu bearbeiten, das ist etwas ganz anderes.
In Zukunft wird das Dokument im Zentrum stehen, das auf verschiedenen mobilen Geräten bearbeitet werden soll. Das tun heute erst ganz wenige early adopters, aber in zwei bis drei Jahren dürfte ein breites Bedürfnis vorhanden sein. Die gegenwärtigen Cloud-Angebote sind noch nicht ausgereift, zum Beispiel, was die Sicherheit angeht. Dieser Markt wird allerdings reifen und dann müssen wir bereit sein. Solche Angelegenheiten muss das Advisory Board klären.
Oracle hat sich definitiv vom ehemaligen Sun-Projekt OpenOffice verabschiedet und es an die Apache Software Foundation abgegeben. Könnte damit das Gezerre um die Open-Source-Community ein Ende haben und die beiden Projekte wieder zusammen kommen?
Italo Vignoli: Wir werden schauen, was sich hier tut. Das Grundproblem für uns ist, dass die Apache-Lizenz keine Copyleft-Lizenz ist. Wir haben viele Programmierer bei uns, die nur nicht für ein Projekt mit einem Copyright arbeiten wollen. (Anm. inside-it.ch: Die Apache-Lizenz erlaubt es Herstellern, auch proprietäre Versionen der Software zu vermarkten, was ein wichtiger Grund gewesen sein dürfte, warum IBM OpenOffice unterstützt, was die Basis fürs eigene Lotus Symphony darstellt.)
Was bedeutet es denn für LibreOffice, wenn Apache OpenOffice vorantreibt?
Italo Vignoli: Die Apache Foundation geniesst in der Open-Source-Szene zu Recht enormen Respekt. Sie war aber immer stark fokussiert auf den Enterprise-Markt. Wenn es beispielsweise darum geht, 100 Lokalisierungen zu machen, dann haben wir hier mehr Erfahrungen und vor allem eine Community. Das betrifft natürlich nicht Sprachen wie Englisch oder Deutsch, sondern Minderheitensprachen wie beispielsweise Zulu oder Kannada. Hier haben wir einen beachtlichen Vorsprung auf OpenOffice. (Gespräch: Philippe Kropf)

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