Zürcher Regierung verteidigt umstrittenes Monitoring von Online­tests

30. September 2021, 15:29
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Die Software Proctorio helfe, faire und verlässliche Prüfungen durchzuführen, so der Regierungsrat. Studierende hatten Eingriffe in die Privatsphäre beklagt.

Der Einsatz einer von der ZHAW verwendeten Überwachungssoftware für Online-Prüfungen ist laut dem Zürcher Regierungsrat rechtmässig und datenschutzkonform erfolgt. Dies schreibt er in der Antwort auf eine Anfrage im Kantonsrat.
Die Software Proctorio war im Juni in die Kritik geraten. Die Gruppe "Kripo" (Kritische Politik Zürich) monierte damals, die Software greife "zu stark in die Privatsphäre der Studierenden ein". Diese Einschätzung teilten drei SP-Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Sie wiesen in einer Anfrage auf dadurch verursachten Stress und Verunsicherung hin.
Der Einsatz von Überwachungssoftware bei Online-Prüfungen sei rechtmässig und diene dazu, faire, gültige und verlässliche Prüfungen durchzuführen, heisst es nun in der regierungsrätlichen Antwort auf die Anfrage.
Bei der Beantwortung stützte sich der Regierungsrat auf Angaben der ZHAW, da die Anfrage nicht den Kompetenzbereich des Regierungsrats betrifft. Die Hochschule erklärte, dass sie die Persönlichkeitsrechte ihrer Studierenden auch beim Einsatz von Proctorio schütze.
"Die von Proctorio aufgezeichneten personenbezogenen Daten werden verschlüsselt, bevor sie nach Frankfurt übermittelt und dort gespeichert werden", heisst es. Da die Daten pseudonymisiert seien, habe das Unternehmen keinen Zugriff, bei der ZHAW selbst hätten nur autorisierte Personen Zugang, die diesen für ihre Prüfungsaufsicht benötigen würden. Die Daten würden standardmässig alle 180 Tage gelöscht.

Zürcher Datenschutz hat noch keine Unterlagen erhalten

Proctorio wurde von der ZHAW bei rund einem Drittel der Online-Prüfungen eingesetzt, wie man der Antwort des Regierungsrates entnehmen kann. Die Möglichkeiten der Software sind umfangreich: Sie kann nicht nur Bild und Ton aufzeichnen, sondern beispielsweise auch Augen- und Kopfbewegungen der Prüflinge analysieren oder einen überdurchschnittlichen Geräuschpegel feststellen. Daraus können sich Hinweise auf Unregelmässigkeiten ergeben, denen im Verdachtsfall nachgegangen wird.
Laut der Antwort werden die Privatsphäre sowie der Datenschutz aber respektiert. Vorgaben zum Einsatz der Software seien in einem Reglement festgehalten worden. Die Datenschutzbeauftragte sei vor dem Erlass des Reglements konsultiert worden.
Die konkrete Software habe diese jedoch nicht vorgängig geprüft, für einen verhältnismässigen Einsatz sei die ZHAW selbst verantwortlich. Im Sommer hatte die Zürcher Datenschützerin allerdings eine Überprüfung von Proctorio angekündigt. Auf Anfrage von inside-it.ch erklärt diese nun, dass bis heute keine Unterlagen von der Hochschule eingetroffen seien. Diese würden für die Untersuchung benötigt.

War Proctorio schuld an technischen Problemen?

Neben Datenschutzbedenken war im Juni auch beklagt geworden, dass die Software fehleranfällig sei und zu Komplikationen geführt habe. Damals hatte die Hochschule auf unsere Anfrage erklärt: "Die Gründe für die genannten Probleme sind je nach Fall unterschiedlich und können beispielsweise auch mit der Übertragungstechnik des Netzwerkverkehrs oder mit lokalen Netzwerkproblemen bei den Prüfungsteilnehmenden zusammenhängen."
Nun heisst es in der Antwort des Regierungsrates, dass die Studierenden die Software vornehmlich ohne Probleme bedienen könnten. An einem Prüfungstag sei es indes vermehrt zu technischen Störungen gekommen. Deren Ursache werde aber noch analysiert.

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