Russischer Telegram-Gründer festgenommen

26. August 2024 um 06:38
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Foto: Screenshot Youtube

Der Gründer des Messengerdienstes Telegram, Pawel Durow, ist in Frankreich festgenommen worden. Ihm wird unter anderem fehlendes Eingreifen bei illegalen Aktivitäten auf seinem Dienst vorgeworfen.

Der in Frankreich gesuchte Telegram-Gründer Pawel Durow wurde am Samstagabend nach seiner Ankunft aus Aserbaidschan am Flughafen Le Bourget in Polizeigewahrsam genommen, wie die Sender 'TF1' und 'BFMTV' sowie andere französische Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise berichteten. Die russische Botschaft in Frankreich habe sich des Falls bereits angenommen, hiess es in einer von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur 'Tass' zitierten Stellungnahme des Aussenministeriums in Moskau.
Die französischen Behörden seien aufgerufen worden, konsularischen Zugang zu Durow zu erlauben, sagte Russlands Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa. "Das Problem ist nur, dass Durow auch die französische Staatsbürgerschaft hat", erklärte sie im russischen Staatsfernsehen. "Entsprechend wird ihn Frankreich in erster Linie auch als seinen Staatsbürger betrachten."

Drogenhandel, Betrug und Kindesmissbrauch auf Telegram

Nach französischen Medienberichten wurde Durow in Frankreich gesucht, weil die Behörden Vorermittlungen gegen ihn eingeleitet hätten wegen des Verdachts, er habe sich durch fehlendes Eingreifen bei Telegram und unzureichende Kooperation mit den Ordnungskräften des Drogenhandels, Betrugs und Vergehen im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch mitschuldig gemacht.
Mit Blick auf die Informationen zu Durows Festnahme habe die russische Botschaft in Frankreich sofort Schritte unternommen, die in einer solchen Situation notwendig seien, hiess es in der von 'Tass' verbreiteten Stellungnahme des Aussenministeriums. Man sei bemüht, die Situation zu klären, "obwohl die Vertreter des Geschäftsmanns keinen Antrag gestellt haben".

Telegram: Vorwürfe sind absurd

Sein Unternehmen Telegram sagte am gestrigen Sonntagabend gegenüber der französischen Nachrichtenagentur 'AFP', Durow habe "nichts zu verbergen". Überdies halte sich der Messengerdienst an die europäischen Gesetze und die Moderation der Inhalte auf der Plattform seien "branchenüblich". Es sei "absurd", eine Plattform oder ihren Chef "für den Missbrauch" dieser Plattform verantwortlich zu machen.
Durow hatte Telegram mit seinem Bruder Nikolai gegründet, nachdem beide bereits das Netzwerk Vk.com ins Leben gerufen hatten, eine Art russischsprachiges Facebook. Telegram ist in Russland eines der wichtigsten Online-Netzwerke, das auch von vielen Behörden und Politikern zur Kommunikation genutzt wird. Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wird der Dienst von beiden Seiten für Mitteilungen genutzt.

Durow legte sich mit russischen Behörden an

Durows Verhältnis zur russischen Obrigkeit gilt als schwierig. Der Verkauf von Vk.com erfolgte unter Druck. Zuvor hatte er sich geweigert, Daten der Teilnehmer der Protestbewegung in der Ukraine gegen den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch an den russischen Geheimdienst weiterzugeben. Er selbst floh kurz darauf aus Russland.
Die Durow-Brüder versprechen, die Daten der Nutzerinnen und Nutzer von Telegram zu schützen. Mit den russischen Behörden legte sich der exzentrische Internet-Milliardär deshalb schon vor Jahren an. Aber auch im Westen gibt es Vorwürfe gegen das Brüderpaar. Den Telegram-Machern wird vorgeworfen, nicht konsequent genug gegen Hassrede und Gewaltaufrufe vorzugehen. Bei islamistischer Terrorpropaganda soll es westlichen und russischen Behörden gelungen sein, Telegram zu Löschaktionen zu bewegen.

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