Schweizer Detailhandel führt Offline-Kartenzahlungen ein

25. August 2026 um 09:37
image
Foto: Clay Banks / Unsplash+

Bei einem Ausfall von Daten- oder Kommunikationsverbindungen sollen Schweizerinnen und Schweizer künftig weiterhin mit Debit- oder Kreditkarte bezahlen können.

Banken, Zahlungsdienstleister und Detailhändler wollen in der Schweiz Kartenzahlungen auch bei vorübergehenden Ausfällen von Daten- und Kommunikationsverbindungen ermöglichen. Eine freiwillige Branchenlösung soll dafür sorgen, dass lebenswichtige Güter wie Lebensmittel, Medikamente oder Treibstoff künftig auch bei technischen Störungen bargeldlos bezahlt werden können, wie der Bund mitteilt.
Zwar bleibt Bargeld eine wichtige Alternative, doch soll die Bevölkerung auch bei einer vorübergehenden Störung weiterhin mit Karte bezahlen können. Möglich machen soll dies die Offline-Kartenzahlung. Dabei wird eine Transaktion auch ohne bestehende Datenverbindung am Kartenterminal durchgeführt und zunächst lokal gespeichert. Sobald die Verbindung wieder verfügbar ist, wird die Transaktion an den Zahlungsdienstleister übermittelt, verarbeitet und das Kartenkonto belastet.
Voraussetzung sei allerdings eine funktionierende Stromversorgung des Terminals. Offline-Zahlungen sollen laut Mitteilung ausschliesslich mit physischen Debit- oder Kreditkarten und unter Eingabe der PIN möglich sein. Zusätzliche Karten seien nicht erforderlich. Bei bestehenden Terminals ist nach Angaben der beteiligten Branchen lediglich eine entsprechende Konfiguration notwendig.

Schrittweise Einführung bis Ende 2027

Die Grundlage für die Einführung bildet eine gemeinsame Absichtserklärung von Banken, Zahlungsverkehrsunternehmen und Detailhändlern. Eine Mehrheit der Teilnehmenden hat sich darin verpflichtet, Offline-Kartenzahlungen schrittweise einzuführen. Ziel ist eine breite Verfügbarkeit bis Ende 2027.
Die Lösung sei zunächst auf Detailhändler beschränkt, die Güter des täglichen Bedarfs anbieten. Laut den Initianten decken die bisherigen Zusagen bereits einen grossen Teil des Schweizer Lebensmittelhandels ab. Weitere Händler können sich der Branchenlösung anschliessen.
Lanciert wurde die Initiative am 24. August an einer Veranstaltung in Bern. Bundespräsident Guy Parmelin, Martin Schlegel, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, und der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, würdigten dabei die Beteiligung der Unternehmen. Offline-Kartenzahlungen sind in einigen europäischen Ländern bereits etabliert. Schweden setzt das Verfahren bereits ein, während Finnland, Norwegen und Estland entsprechende Lösungen einführen.

Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

Luzern beschafft M365-Backup ohne Microsoft

Zur Stärkung der digitalen Souveränität will die Stadtverwaltung Backups der Microsoft-Dienste ohne den US-Anbieter speichern. Dabei soll Jocker IT helfen.

publiziert am 21.10.2026
image

Postfinance braucht Zustimmung für Stimmabdrücke

Postfinance ist mit einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. Für Stimmabdrücke von Kundinnen und Kunden benötigt das Unternehmen die Zustimmung.

publiziert am 21.10.2026
image

Berner IT-Millionenprojekt ist schon in der Krise

Die Einführung des neuen Fallführungssystems im Kanton Bern verzögert sich massiv. Pilotprojekte wurden sistiert, Mehrkosten drohen.

publiziert am 20.10.2026
imageAbo

Bis zu 7 Milliarden für Swiss Government Cloud

Die Swiss Government Cloud nimmt Gestalt an. Das BIT startet die Ausschreibung für drei Infrastrukturen mit unterschiedlichem Datenschutzlevel. Dabei stehen 7 Milliarden im Raum.

publiziert am 20.10.2026