Schweizer Hochschulen erfassen KI-Betrug kaum

23. Juni 2026 um 11:33
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Foto: Dominic Kurniawan Suryaputra / Unsplash

Eine Umfrage unter 31 Schweizer Hochschulen zeigt, dass Fälle unerlaubter KI-Nutzung selten dokumentiert werden. Dennoch verzichten viele Institutionen auf eine systematische Erfassung.

Die Zahl der dokumentierten KI-Betrugsfälle an Schweizer Hochschulen ist niedrig. Gleichzeitig verfügen viele Institutionen weder über belastbare Statistiken noch über verlässliche technische Mittel, um KI-generierte Arbeiten zu erkennen. Das zeigt eine Umfrage von 'SRF' bei 31 Hochschulen.
Die meisten Schweizer Hochschulen erlauben den Einsatz generativer KI im Studium. Wie häufig Studierende dabei gegen Prüfungsregeln verstossen, lässt sich jedoch kaum beziffern. Viele Institutionen erfassen entsprechende Fälle nicht systematisch oder verzichten auf spezialisierte Erkennungstechnologien.
Die verfügbaren Zahlen zu unerlaubter KI-Nutzung bleiben entsprechend fragmentiert. Einige Hochschulen wie die PH Luzern oder die ZHAW melden laut 'SRF' Dutzende beziehungsweise einzelne bis wenige Dutzend Fälle seit 2023. Andere sprechen von vereinzelten Vorfällen oder führen gar keine gesonderten Statistiken. Ein Gesamtbild ergibt sich daraus nicht.

Kaum belastbare Fallzahlen

Die Umfrage zeigt grosse Unterschiede im Umgang mit möglichen KI-Verstössen. Während einzelne Hochschulen konkrete Fallzahlen ausweisen würden, werde das Thema andernorts nicht separat erfasst oder statistisch nicht ausgewiesen. Teilweise werde KI-Nutzung nicht als eigener Betrugstatbestand geführt.
Damit bleibt offen, wie stark KI tatsächlich für unerlaubte Hilfestellungen genutzt wird. Die vorhandenen Daten bilden eher die Detektionspraxis der Hochschulen ab als die tatsächliche Nutzung.

KI gehört zum Studienalltag

Trotz der Diskussion um KI-Plagiate erlauben praktisch alle befragten Hochschulen den Einsatz von Werkzeugen wie ChatGPT im Studium. Voraussetzung sei in der Regel, dass Studierende die Nutzung offenlegen und dokumentieren, wie sie die Systeme eingesetzt haben.
Laut Umfrage betrachten mehrere Hochschulen den Umgang mit generativer KI inzwischen weniger als Betrugs- denn als Kompetenzfrage. Die Berner Fachhochschule etwa verzichtet bewusst auf eine separate Erfassung von KI-Fällen und verweist auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Werkzeugen, wie Vizedirektor Jochen Schellinger von der BFH erklärt. Auch andere Hochschulen würden betonen, dass KI die akademische Arbeit unterstützen, aber nicht ersetzen soll.

KI-Texte schwer nachweisbar

Ein Grund für die niedrigen Fallzahlen dürfte die schwierige Erkennung von KI-generierten Inhalten sein. Mindestens elf der befragten Hochschulen setzen Software mit KI-Erkennungsfunktionen ein. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass solche Systeme lediglich Hinweise liefern und keine verlässlichen Beweise ermöglichen.
Andere Hochschulen würden bewusst auf den Einsatz von KI-Detektoren verzichten. Sie verweisen auf die Gefahr von Fehlklassifikationen und unbegründeten Verdachtsfällen. Die Universität Lausanne etwa sehe das Risiko, dass Studierende aufgrund fehlerhafter Erkennungen benachteiligt werden könnten.
Hinzu kommt, dass moderne Sprachmodelle klassische Plagiatserkennung erschweren. Texte lassen sich mit KI-Systemen rasch umformulieren, ohne dass ganze Passagen direkt übernommen werden. Einzelne Hochschulen berichten deshalb von einem Rückgang klassischer Copy-Paste-Plagiate.

Prüfungsformate werden angepasst

Als Reaktion auf die Verbreitung generativer KI würden viele Hochschulen verstärkt auf alternative Prüfungsformen setzen. Dazu gehören mündliche Prüfungen, Präsentationen oder eng begleitete Projektarbeiten. Auch Zwischenabgaben und regelmässige Feedbackschlaufen sollen nachvollziehbar machen, wie Arbeiten entstehen.
Fachhochschulen verweisen zudem auf ihren Praxisbezug. Leistungsnachweise basierten häufig auf Projekten, Prototypen, Präsentationen oder anderen praktischen Arbeiten, bei denen KI-generierte Inhalte nur begrenzten Einfluss hätten, heisst es im Bericht.
Trotz der Herausforderungen würden die Hochschulen keinen flächendeckenden Missbrauch sehen. Sowohl die ETH Zürich als auch die Universität Lausanne gehen laut 'SRF' davon aus, dass die grosse Mehrheit der Studierenden ihre Leistungen eigenständig erbringt. Der Schwerpunkt liege deshalb weniger auf Kontrolle als auf der Anpassung von Lehr- und Prüfungsformen an die Realität generativer KI.

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