Im Rahmen der Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau, Zug und Zürich (AMOSA) macht das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Einschätzungen zum digitalen Wandel auf dem Thurgauer Arbeitsmarkt. Laut Amtsleiter Daniel Wessner fokussiert sich das AWA bereits seit einiger Zeit auf die Arbeit 4.0 im Kanton Thurgau.
Bereits jetzt führt der technologische Wandel in fast allen Berufen zu Veränderungen, wie es im Bericht heisst. "Mit dem wachsenden Einsatz der Künstlichen Intelligenz werden in wenigen Jahren selbst die aktuell begehrten Erwerbstätigen mit Tertiärabschluss die weitreichenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt spüren", sagt Marcel Schaer, Leiter der AWA-Abteilung Arbeitsmarktrechtliche Massnahmen.
Diese Berufsfelder sind besonders stark betroffen
Mit Blick auf die Arbeitsmarktchancen der Stellensuchenden und Arbeitnehmenden stellt sich auch die Frage, welche Berufsfelder besonders starken Transformationen oder einer erhöhten Automatisierungswahrscheinlichkeit ausgesetzt sind. Laut dem Bericht kommt es nur selten dazu, dass Berufe im Zuge der KI-Entwicklung komplett verschwinden. Vielmehr kommt es zu Verschiebungen innerhalb einzelner Berufe.
Der Bericht wirft unter anderem einen Blick auf Felder, die gemäss den untersuchten Ansätzen besonders stark betroffen sind. So seien insbesondere Büro- und Sekretariatsberufe tangiert. Der Bereich weise einen hohen Anteil an Routinetätigkeiten auf, für die man KI gut einsetzen könnte – so etwa Sachbearbeitung, Datenerfassung oder Schalterdienste.
Auch in Feldern wie etwa Marketing und Vertrieb, die nur einen tiefen Anteil an Routinetätigkeiten beinhalten, ist bereits heute und in Zukunft mit Transformationen durch Künstliche Intelligenz zu rechnen. Zum Beispiel für die Optimierung der Marketingprozesse.
Schliesslich gibt es Arbeitsfelder, die einen hohen Anteil Routinetätigkeiten aufweisen, aber nur begrenzte Möglichkeiten für Künstliche Intelligenz bieten. In diesen Bereich fallen verschiedene Berufe der industriellen Produktion – insbesondere Hilfskräfte und Maschinenbediener.
Kompetenzen verändern sich
Mit den veränderten Tätigkeitsprofilen ändern sich auch die Kompetenzen, die von Mitarbeitenden gefordert werden. Über alle Fokusberufe hinweg werden neben der digitalen Affinität vor allem transversale Kompetenzen wie Offenheit für Veränderungen und Kommunikation und Kollaboration als Kompetenzen der Zukunft genannt.
Der Bericht beantwortet auch die Frage, welche Personen in Zukunft am stärksten betroffen sein werden. Entgegen der noch immer relativ weit verbreiteten Annahme, dass sich die Digitalisierung und Automatisierung vor allem auf geringqualifizierte Personen auswirken, zeige sich, dass insbesondere Personen mit einem mittleren Bildungslevel betroffen seien.
Aber auch hochqualifizierte Personen arbeiten vermehrt in Berufen, die sich durch KI stark verändert werden. Ein Wegfall dieser Jobs sei aber unwahrscheinlich, so der Bericht. Ausserdem sind Frauen und 15- bis 24-Jährige überdurchschnittlich in Bereichen tätig, in denen mit Veränderungen durch Künstliche Intelligenz zu rechnen ist.
"Wir stellen zum Beispiel niederschwellige Angebote zur Förderung von digitalen Grundkompetenzen bereit und unterstützen Stellensuchende wie auch Arbeitskräfte, mögliche Skills-Lücken zu identifizieren respektive gezielt anzugehen", sagt Marcel Schaer. Wessner weist auf einen weiteren Punkt hin: "Bei der Rekrutierung oder Vermittlung von Arbeitskräften müssen wir uns vermehrt auf spezifische Kompetenzen abstützen, anstatt auf formelle Abschlüsse und Berufe. Unser Ziel ist die Erarbeitung eines praxisnahen, kantonsübergreifenden Kompetenzkatalogs – eine Art Kompetenznomenklatur." Im AWA Thurgau sei man sich bewusst, dass die digitale Transformation die Arbeitsmarktbehörden, Verbände, Unternehmen und Bildungseinrichtungen gleichermassen herausfordern werde.