So wirkt sich der FTX-Sturz auf die Schweiz aus

17. November 2022, 16:17
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Foto: Stanslavs / Unsplash

Kryptowährungen sacken ab, der nächste Kryptoverleiher steht vor der Insolvenz. Die Krypto-Schweiz sieht sich in diesen unsicheren Zeiten als Fels in der Brandung.

Der FTX-Sturz lähmt die Krypto-Welt. Noch lassen sich die Kollateralschäden des Konkurses nicht abschätzen – täglich kommen neue Missstände hinzu. Kryptowährungen sackten nach Bekanntgabe der FTX-Insolvenz noch weiter ab. Der Bitcoin erreichte diese Woche einen Tiefstand von 16'400 Dollar, Anfang dieses Jahres betrug der aktuelle Kurs noch rund 48'000 Dollar. Andere Kryptoverleiher wie Blockfi, der mit der FTX eng verflochten war, steuert ebenfalls auf einen Kollaps zu. Skeptiker glauben: Das Aus der Kryptobörse dürfte der endgültige Todesschlag für die Idee einer Utopie "Geld ohne Staat" sein. Nun stellt sich die Frage, wie sich der Fall auf Schweizer Krypto-Firmen auswirkt.

Strengere Regulationen in der Schweiz

"Ich glaube, dass hier viel mühsam aufgebautes Vertrauen in die Krypto- und Blockchain-Industrie zerstört wurde", sagt Ralf Glabischnig gegenüber 'Finews.ch'. Der Mitgründer der Blockchain-Beratungsfirma Inacta befürchtet, dass das Fundraising für Firmen schwieriger wird und der gegenwärtige Krypto-Winter länger anhalten könnte. Zu diesem Schluss kommt auch die Krypto-Börse Coinbase in einem aktuellen Bericht für Anleger.
In der Schweiz ist man regulatorisch aber strenger als an Krypto-Standorten wie den Bahamas, Dubai, Estland und weiteren. Die Szene im Cypro Valley präsentiert sich stabil, hierzulande kümmert sich die Finanzmarktaufsicht (Finma) um das Geschäft.
Andere in der Branche lassen sich vom FTX-Aus jedoch nicht einschüchtern. Mitgründer von Crypto Valley Venture Capital Mathias Ruch sagt gegenüber 'NZZ.ch' zwar, der Kollaps sei ein "ganz schlimmes Ereignis". Einen Moment wie 2008, als die Lehman-Bank Konkurs anmelden musste und so eine Finanzkrise auslöste, befürchte er jedoch nicht.

Schweiz wiegt sich in Sicherheit

Nach und nach wollen zahlreiche Investoren ihre Coins trotzdem retten und bewahren sich selbst auf. "Wir sehen sowohl Kunden, die digitale Assets abziehen und sie auf der eigenen Hardware speichern, als auch solche, die nun erst recht die professionellen Verwahrungsdienste von regulierten Akteuren in Anspruch nehmen", sagt Brzezek von Crypto Finance. Wenn man seine digitalen Anlagen jedoch selbständig verwahre, solle man gut mit der Technologie vertraut sein. Wer hierzulande von der Finma beaufsichtigt werde, der müsse sich nicht fürchten. Ein Fall wie FTX könne in der Schweiz praktisch nicht passieren, so Brzezek. Auch bei der Aufsichtsbehörde selbst heisst es: "Es interessiert uns, ob der Konkurs der Plattform allenfalls Auswirkungen auf von uns beaufsichtigte Gesellschaften hat. Bisher haben wir jedoch keine Hinweise auf gravierende Exposures in diesem Kontext."
Die Schweiz hatte also gerade mal noch Glück gehabt, wenn man den Exponenten der Szene Glauben schenkt. Bei Cryptofinance habe man zwar über FTX gehandelt, Kundengelder waren dabei aber nicht im Spiel, so Sygnum-CEO Mathias Imbach. Es seien bloss eigene Geschäfte zur Absicherung von Treasury-Positionen betrieben worden. Bei der Sygnum-Bank hätte man hingegen gar nichts mit FTX zu tun gehabt. Die Schweiz könne sich nun als sicherer Hafen für Investoren in unsicheren Zeiten positionieren, heisst es.

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